Landesinformation down

Das Ägypten, ein Land mit über 6000 Jahre dokumentierter Geschichte, eine Reise wert ist, braucht hier eigentlich nicht mehr erwähnt zu werden und wird in unzähligen Büchern und Bildbänden besser erzählt, als wir es je machen können. Aus 31 Dynastien sind Relikte zu bewundern: die berühmten Pyramiden von Gizeh, Saqqara, Maidum, Dashur und Abu Sir, die unzähligen Tempel- und Grabanlagen entlang des Nils wie in Luxor, Theben, Karnak, Kom Ombo, Philae, Edfu und Abu Simbel, um nur einige zu nennen.
Aber Ägypten bietet außerdem noch vieles mehr: die Oasen und hervorragenden Landschaften der libyschen Wüste (wie z.B. die weiße Wüste), die Stein-Formationen, die koptischen Klöster in der ägyptischen Wüste, der Sinai mit dem Katharinen-Kloster, dem Mt. Moses, dem Coloured Canyon, den Oasen und Wadis und natürlich den Schnorchel-Paradiesen.
Vor allem haben uns die Menschen imponiert, die trotz ihrer Armut stets liebenswert, freundlich und fröhlich waren.

Reiseverlauf up down

1.Tag
Kairo
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19.30 Uhr Ankunft auf dem internationalen Flughafen von Kairo mit einem Flug der Lufthansa. Nach der Passkontrolle, Visumbeschaffung und Geldumtausch, lassen wir uns mit dem Taxi zur Lufthansa Cargo fahren (10 Minuten zum alten Flughafen), die sich in einer kleinen Wellblech-Halle zusammen mit Sudan-Air befindet. Heute ist Donnerstag, also der Samstag-Abend der Muslime und somit alles geschlossen, nur durch Günters Hartnäckigkeit erhalten wir noch ein Papier für 15 LE. Das Taxi fährt uns nach Heliopolis in das Mittelklasse-Hotel „El Gabali“ (55 LE fürs Doppelzimmer, sehr sauber und freundlich). Gleich nebenan gibt es einen Imbiss mit leckeren Sachen zum Abendessen. Stella-Bier als Abendtrunk in der Bar des Hotels.

2.Tag
Kairo
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Heute ist Freitag, also Cargo-Halle und Zoll sind geschlossen und wir fahren mit dem Taxi in die Innenstadt, zuerst zum Cairo-Tower. Trotz Dunst hat man einen guten Überblick auf die Stadt und die mächtigen Pyramiden von Gizeh am Stadtrand. Anschließend stürzen wir uns am Tahrir-Platz ins Gewühle. Von allen Seiten werden wir mit „Welcome to Cairo“ von uns unbekannten Menschen begrüßt.
Nordwestlich am Tahrir-Platz auf den Stufen des Nile Hilton Hotel warten wir, dass das ägyptische Museum am Nachmittag geöffnet wird. Derweil amüsieren wir uns über das Treiben auf der Busstation. Die Busse halten nicht an, sondern es wird während der Fahrt ein- und ausgestiegen. Fliegende Händler bieten „echte“ Papyrus-Bilder und Steinfiguren für Spottpreise an.
Um 14.00 Uhr öffnet das Museum und wir starten durch zu Tutenchamon ins Obergeschoss. Da die meisten Besucher erst im Untergeschoss sind, bleiben uns ca. ¼ Stunde, die wir fast alleine im Gold-Zimmer „Tuttis“, wie ihn die Ägypter liebvoll nennen, verbringen können. Wir sind überwältigt, keine noch so gute Fotografie oder noch so authentischer Fernsehbericht kann dieses Gefühl vermitteln, das diese Goldmaske ausstrahlt. Allmählich drängeln sich die Massen ins Zimmer und die ehrfürchtige Situation ist zu Ende. Wir widmen uns anderen sehenswerten Schätzen in dieser wertvollsten Gerümpelkammer der Welt, wie dieses Museum nicht zu unrecht genannt wird, denn außer den Grabschätzen des Tutti ist der Rest wild und ohne Thematik zusammengewürfelt untergebracht. Ein Nachmittag ist viel zu kurz für all die Schätze. Wir fahren zurück zum Hotel.

3.Tag
Kairo
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Wir bezahlen unser Hotel, lassen das Gepäck aufbewahrt zurück und fahren zum Zoll. Zuerst gibt es aufmerksame Betriebsamkeit. Papiere werden erstellt und unterschrieben, hier 7 LE, dort 5 LE bezahlen usw. Wir warten vor dem Gebäude. 2 Stunden passiert nichts. Man bietet uns eine Sitzgelegenheit in der Halle an. Wenigstens Schatten gibt es hier. Dann braucht man den Motorradschlüssel, Günter geht mit. Sie reißen alles aus den Motorradkoffern, Schlafsäcke sind etwas Unbekanntes, die und der gesamte Inhalt unserer Koffer (alles Campingartikel) müssen verzollt werden (754 LE aber über eine Bank mit Quittung). Günter bleibt 2 Stunden im Zoll, ich schwitze in der Halle, habe Durst, auf eine solange Zeit hatten wir uns nicht eingestellt. Noch einmal Warten, dann wird der Zoll geschlossen. Morgen ist Feiertag, der 6. Oktober. Wir haben noch kein Motorrad, und haben das Gefühl noch nicht weiter gekommen zu sein. Also zurück zum Hotel und noch mal 2 Nächte gebucht. „Malesch“, kein Problem, es gibt unser Zimmer noch.

4.Tag
Kairo
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Wir fahren mit dem Taxi zeitig raus zu den Pyramiden und es ist alles noch ziemlich leer. Es bieten sich Führer an, aber wir gehen alleine los. Die Bauten sind überwältigend. Wir gehen in die Cheops-Pyramide. Zuerst geht es auf einer Treppe durch die hohe Galerie, anschließend muss man durch einen nur einen Meter hohen Gang robben, wenn man zur Grabkammer gelangen will. Ein bisschen Platzangst kann man schon bekommen. Wieder draußen versuchen die Kamelvermieter mit platten Sprüchen wie „Mensch Meier“, „hoppe, hoppe Reiter“, „Eile mit Weile“ uns zu einem Ritt zu überreden. Wir gehen lieber zu Fuß, die Luft da oben ist uns zu dünn.
Langsam füllt sich das Areal mit wenigen ausländischen Touristen, dafür aber mit den Ägyptern selbst, die heute ihren Feiertagsausflug hierhin machen: Junge Frauen in bunten Gewändern, Familien, die Picknick auf den großen Steinen der Pyramiden machen. Die Atmosphäre ist berauschend.
Hinter den Pyramiden, etwas weiter draußen sehen wir Motorräder und Menschenmassen. Wir trauen unseren Augen nicht: Gerade startet die Pharaonen-Rallye mit den Motorrad-Stars der Paris-Dakar-Rallye, Peterhansel, Piccard, Picco, Gieraldini usw. Dahinter warten die Autos, ebenso mit den Stars wie Vatanen, Jacky X, Valdegard und die Trucks mit Pellini und all den anderen. Nachdem das Spektakel mit der Rallye vorbei ist, versuchen die Ägypter mit ihren kleinen Mofas und Mopeds ebenfalls die Dünen zu erklimmen.
Wir gehen zurück zu den Pyramiden, denn noch einige Sehenswürdigkeiten warten auf uns. Wir besichtigen die Holzbarke in einem extra dafür errichteten Gebäude vor der Cheops-Pyramide. Der Sphinx wirkt vor den riesigen Pyramiden so klein, aber wenn man vor bzw. neben ihm steht, erkennt man seine wirkliche Größe. Den Abschluss am heutigen langen Tag ist eine Besichtigung des Tal-Tempels. Mit dem Taxi fahren wir zurück zum Hotel. Ein wunderschöner Tag mit bombastischen Eindrücken geht zu Ende.

5.Tag
Kairo
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Wieder geht es zur Cargo-Halle. Erst wieder stundenlanges Warten, dann fahren wir mit dem Zollbeamten nach Heliopolis, um eine Bankbürgschaft für unser Gepäck in den Koffern zu bekommen. Erst bei der 3. Bank haben wir Erfolg, sie will die Bürgschaftsformalitäten übernehmen. Es gibt tolle Einblicke in eine alte Bank mit einem Chaos aus Papier und Menschen. Man fragt sich, wie hier jemals ein Papier wiedergefunden wird. Günter muss mindestens 10-15 Papiere unterschreiben, die wiederum von fast genauso vielen Angestellten bearbeitet werden. Die Leitung der Bank hat zu unserem Erstaunen eine verschleierte Frau. Nach einem zusätzlichen Geldtausch in der Bank erhalten wir die Bürgschaft um 14.30 Uhr. Zurück zur Cargo, nur noch ein für uns relevantes Büro ist offen, das uns mitteilt, dass die Bankbürgschaft nicht korrekt ist! Wir sind niedergeschlagen, ein ganzer Tag in der Bank für die Katz. Zurück zum Hotel, wir schlafen schlecht. Wann erhalten wir unser Motorrad? Wir wollen doch noch Urlaub in Ägypten machen und nicht nur die Cargo-Halle kennen lernen.

6.Tag
Kairo
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Der Zollbeamte ist pünktlich, wir fahren erneut zur Bank. Man findet tatsächlich unter einem riesigen Papierhaufen unsere Papiere wieder und es ist alles in einer Stunde erledigt. Zurück zur Cargo-Halle. Diesmal ist die Bürgschaft in Ordnung. Uns fällt ein Stein vom Herzen. Dann geht das Warten wieder los, hier ein paar Unterschriften, dort ein paar Pfund bezahlen, warten, Unterschrift, Pfund u.s.w. Es wird 13.00 Uhr und es sieht immer noch so aus, als wenn wir kein Stück weiter sind. Ich gehe zum Lufthansa-Chef der Cargo und erzähle ihm von den 3 Tagen „Cargo-Haft“. Er schlägt die Hände über dem Kopf zusammen und findet es unfassbar, dass Lufthansa Frankfurt den Motorrad-Transport überhaupt gemacht hat. Er wird Frankfurt anweisen, keine weiteren Transporte durchzuführen. Er hat leider keinen Einfluss auf den hiesigen Zoll, aber er kommt mal mit, vielleicht kann er etwas regeln. Derweil wurde das Motorrad aus dem Zoll gebracht und Günter konnte es nicht verhindern, dass es von der Laderampe des Zolls auf einen Lastwagen gebracht wurde. Günter sitzt in der Fahrerkabine und debattiert heftig mit den Fahrern, dass sie das Motorrad sofort wieder abladen sollen. Ich springe im letzten Moment auf die Ladefläche, bevor der Lastwagen abfährt. Wir fahren zur Zulassungsstelle, ca. 1 km entfernt. Ich halte in den Kurven das Motorrad fest, Günter schreit wütend in der Kabine rum. An der Zulassungsstelle angekommen, stellt sich die Frage, wie wir das Motorrad wieder vom LKW herunter bekommen, da es hier keine Rampe gibt. Jetzt will man 20 LE für den Transport. Hier rastet sogar Günter aus und es gibt einen Menschenauflauf. Nach heftigen Diskussionen wird der LKW zu einem Sandhaufen gefahren und Günter fährt das Motorrad vom LKW in den Sandhaufen. Geld gibt es keins für die LKW-Fahrer. Noch ein wenig Papierkrieg und 14.30 Uhr ist wieder Büro-Schluss. Wir haben noch nicht die Zulassung und das Motorrad soll auf dem Hof der Zulassungsstelle bleiben. Günter fleht den zuständigen Beamten an. Der hat, wahrscheinlich wegen den etwas unschönen Ereignissen zuvor, Mitleid und wir dürfen das Motorrad ohne Zulassung mitnehmen, müssen ihm aber versprechen, dass wir morgen wiederkommen.
So muss man sich fühlen, wenn man aus dem Knast kommt, wir haben unsere Freiheit wieder! Und los geht’s in die Stadt, zur Zitadelle, lassen uns durch das islamische Viertel treiben, zum Cairo-Tower und erleben Kairo bei Nacht. Günter macht es riesigen Spaß durch das chaotische Stadtgewimmel zu fahren. Die Autos fahren so nahe neben uns her, dass sie zum Teil die Motorradkoffer berühren und aus dem geöffneten Fenster ruft man uns zu „Welcome to Cairo“.

7.Tag
Kairo
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Auf zur Zulassungstelle, Papierkrieg wartet auf uns. Dort sagt man uns, dass wir nach Heliopolis müssen, wir brauchen eine Versicherung fürs Motorrad. Nach einer Viertelstunde hat Günter tatsächlich eine Versicherung und wir fahren zurück zur Zulassungsstelle. Während Günter 2 Stunden Unterschriften-Krieg mit allen möglichen Leuten führt, warte ich neben dem Motorrad in voller Sonne (kein Schatten weit und breit). Um 12.00 kommt Günter mit zwei Nummerschildern, die wir am Ende der Reise wieder abgeben müssen. Jetzt haben wir alles und auf geht’s zum Hotel. Ein Nachbar vom Hotel hilft uns, das eine Nummerschild anzubringen, das zweite verstauen wir im Koffer. Wir laden unser Gepäck auf unser Motorrad und verabschieden uns vom Hotelpersonal. Das erste Ziel unserer Fahrt ist der Tahrir-Platz im Stadtzentrum. Hier muss Günter im Mogamma-Gebäude seinen Registrieungsstempel abholen (Meine Registrierung wurde vom Hotel-Manager organisiert, Günter brauchte seinen Pass ja ständig auf dem Zoll). Während ich wartend bei dem bepackten Motorrad stehe und einige Schwätzchen mit Passanten führe, kämpft sich Günter im Mogamma-Gebäude mit nun geübter Routine zum richtigen Büro durch und kommt erstaunlich schnell mit gewünschtem Erfolg zurück.
Dann geht es zum Campingplatz in der Nähe der Pyramiden. Wir sind die einzigen Gäste. Nach dem Zeltaufbau fahren wir raus zum Friedhof, der südlich der Pyramiden liegt. Hier treffen wir einen Touristen-Kamel-Treiber mit seinem Kamel „Michael Jackson“ wieder, den wir am 4. Tag an den Pyramiden gesehen hatten. Wir haben ein nettes Gespräch mit ihm. Die Lightshow beginnt und wir können, fern vom Touristen-Rummel, tolle Fotos von den angeleuchteten Pyramiden und der Sphinx machen.
Zurück auf dem Campingplatz kochen wir und schlafen das erste mal auf dieser Tour in unserem Zelt. Es ist eine tolle Nacht.

8.Tag
Kairo - Bawiti
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In der Nacht sind noch 2 Campingbusse hinzugekommen. Es gibt ein nettes Gespräch, 2 Campinggas-Kartuschen und ein paar Tipps für die Oasentour (wir sollen aufpassen, die Kinder in den Oasen würden mit Steinen werfen). Wir machen uns sofort auf den Weg, vorbei an den Pyramiden, dann am Mena House Hotel erst Richtung Alexandria und unterhalb der Trabantenstadt „6.Oktober“ Richtung Bahariya durch eine langweilige flache Steinwüste. Die Straße ist geteert und in gutem Zustand. Nach ca. 100 km liegt beiderseits der Straße versteinertes Holz. Danach wird die Strecke abwechslungsreicher und etwas gebirgiger. Es wird bereits dunkel als wir in einem der Dörfer der Oase Bahariya ankommen. Von überall her laufen winkende Kinder auf uns zu und wir fürchten, dass sie mit Steinen werfen, wie uns die anderen Touristen vorausgesagt haben. Etwas ängstlich halten wir auf dem Dorfplatz an und sind sofort umringt von einem Erwachsenen und mindestens 20 Kinder. Niemand wirft mit Steinen, wir werden neugierig und freundlich begrüßt und erfahren, dass dies noch nicht der Hauptort ist. Die Oase Bahariya besteht aus 8 Ortschaften und 18 Weilern. Der Hauptort ist Bawiti mit ca. 16.000 Einwohnern. Wir erreichen Bawiti und halten Ausschau nach dem legendären Hotel „Alpenblick“. Auch hier nur winkende und freundliche Kinder, niemand wirft mit Steinen. Das Hotel ist leider von der Regierung geschlossen worden, wir können nicht bleiben, sondern müssen zum Gouverment Hotel außerhalb des Ortes. Wir fahren in die uns gezeigte Richtung. Die Straße wird nach wenigen Kilometern zur schmalen Sandpiste. Wir haben Zweifel, ob dies der richtige Weg ist sind und eine Weiterfahrt scheint uns im Dunkeln zu gefährlich. Wir beschließen zum „Hotel Alpenblick“ zurück zu fahren. Wir können bleiben, aber niemand darf erfahren, dass wir hier übernachtet haben, sonst bekommt er nie wieder eine Lizenz fürs Hotel. Das Motorrad wird mit alten Decken verhangen und wir dürfen somit auch nicht in den Ort bummeln gehen, man kauft Brot und Wasser und wir kochen uns ein Süppchen. So bleibt uns nur eine Unterhaltung mit den Leuten vom Alpenblick. Das Hotel besteht nur noch aus heruntergekommenen Zimmern, Plumpsklo mit Massen von Kakerlaken und ohne Waschmöglichkeit. Die Fundamente für den Neubau stehen schon. In der Nacht werden wir von den Moskitos durch und durch gestochen und der Muezzin jammert die ganze Nacht hindurch, weil ein Mensch aus dem Dorf verstorben ist.

9.Tag
Bawiti - Farafra
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Völlig zerstochen fahren wir zur Tankstelle und kaufen im „Onkel Mohammed-Laden“ ein und machen uns zeitig auf nach Farafra, der nächsten Oase. Am Ende der Oase von Bahriya gibt es eine Polizeikontrolle, Pässe und Nummerschild werden geprüft. Ich lese unsere Namen vor und sie werden dem Klang nach auf arabisch ins Buch eingetragen. Die Pass-Nummer kann ich auf arabisch vorsagen, ich hatte während den langen Wartezeiten in der Cargo-Halle mit den Arbeitern geübt. Nach 120 km kommen die ersten Felsformationen, weit weg und unerreichbar von der Straße. In der Mittagshitze erreichen wir endlich die „weiße Wüste“. Die Erosion hat hier phantastische Kunstwerke aus Kalkstein geschaffen. Im Schatten eines „Felspilzes“ frühstücken wir endlich und genießen die herrliche Landschaft. Sie ist atemberaubend, am liebsten möchten wir hier übernachten, aber unsere Wasservorräte sind schon fast alle aufgebraucht. Wir hatten nicht damit gerechnet, das man so viel trinkt. Ich, die in Deutschland noch nicht mal ¼ Liter am Tag trinkt, verspüre zum erstenmal das Gefühl des Durstes und trinke eine 1½ Literflasche aus, als wäre es nichts.
Nach dieser herrlichen Pause fahren wir weiter zur Oase Farafra und erreichen dort das Resthouse. Es gibt 2 große Gemeinschaftszimmer. Einige andere Touristen sind auch hier. Wir stellen unser Zelt im Innenhof auf (1 US $), denn wir wollen diesmal eine moskitofreie Nacht erleben. Das Motorrad darf auch im Innenhof stehen. Es gibt einen Dusch-Klo und wir waschen unsere erste Wäsche.
Im Gegensatz zu Bahariya, die eine langgestreckte Oase ist, die aus vielen kleinen Dörfern besteht, ist Farafra ein kleiner Ort mit einer Palmen- und Obst-Oase am Dorfrand. Wir wandern durch den Ort zum Oasengarten. Überall freundliche und neugierige Kinder ohne Steine. Was ist nur mit den anderen Touristen passiert?
Es ist herrlich durch den Garten zu wandern. An der Quelle steht das Badehaus für die Männer. Ein junges Mädchen kommt mit Dattelzweigen zu uns und bietet uns Datteln an. Da die reifen so schmuddelig aussehen, greifen wir zu den unreifen Früchten, was uns noch Kummer bereiten wird. Im Resthouse gibt es Brot und Wurst und eine nette Unterhaltung mit dem Gastwirt. Wir schlafen wunderbar im Zelt.

10.Tag
Farafra - Dakhla
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Am nächsten Morgen fahren wir noch einmal zur Quelle, können aber wieder keine Fotos machen, da die Männer dort baden. Dann geht’s wieder zum „Onkel-Mohammed-Laden“. Da hier niemand englisch spricht, klettere ich über die Ladentheke und suche aus den oberen Regalen Ölsardinen und Thunfisch aus. Aisch (Brot) und mayye (Wasser) kennen wir schon auf arabisch und nehmen diesmal reichlich Wasser mit. Der 7½l Wassersack und die 2 l Trinkflasche wird gefüllt und zusätzlich nehmen wir noch ein paar große Flaschen mit. Nach einer anfangs langweiligen Wüstenfahrt rücken vom Westen die Ausläufer des Grand Erg bis an die Straße heran. Die Sonne steht hoch am Himmel und in der Mittagshitze gibt es wieder Frühstück mit reichlich Wasser. Dann versperren uns Wanderdünen den Weg.
Kurz vor dem Oasenort El Qasr, der zur Oase Dakhla gehört, wollen wir die römischen Gräber von Mozawka besuchen. Die Gräber sind verschlossen und der Wächter ist nicht da, seine Hütte ist offen, aber es ist nicht zuhause. Hier gibt es einen interessanten Einblick in sein „Wohnzimmer“.
Die Oase Dakhla ist die landschaftlich schönste und mit 75.000 Einwohnern in 16 Orten die größte der Oasen des New Valley. Im Resthouse von El Qasr trinken wir Tee und kaufen Brot. Ein Jugendlicher beschreibt uns einen Weg zu einer heißen Quelle, wo wir übernachten können. Wir fahren hin und finden einen Traumplatz zum Übernachten: Mitten in einem kleinen Palmenhain sprudelt eine in Beton eingefasste heiße Quelle. Etwas Abseits zwischen 2 kleinen Dünen errichten wir unser Zelt und kochen uns was. Die Dunkelheit kommt schnell und wir werden durch einen wunderschönen Sternenhimmel belohnt, da hier die Luft klar ist und das Fremdlicht völlig fehlt. Unser Millionen-Sterne-Hotel macht uns alle Ehre. Plötzlich kommt ein starker Wind auf und wir ziehen uns ins Zelt zurück.

11.Tag
Dakhla - Kharga
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Wir kommen kaum aus dem Zelt heraus, denn der Wind hat die Eingänge mit Sand zugeweht. Die Morgendusche ist heute ein Bad in der heißen Quelle. Gibt es etwas schöneres, als in „unserem“ kleinen Oasen-Paradies zwischen Palmen zu baden? Wir bauen das Zelt ab und fahren erneut nach Mozawka. Diesmal ist der Wächter da und wir können für 2 LE die beiden Gräber sehen, dürfen aber kein Foto machen. Danach geht es zurück in den Ort zum Resthouse und wir trinken Tee. Das Motorrad lassen wir vollbepackt vor dem Resthouse unter der Obhut eines Jungen stehen und gehen mit Ahmed, er hatte uns den Tipp mit dem Schlafplatz gegeben, durch den Ort. Er spricht englisch und erklärt und zeigt uns viele Dinge, wie z.B. die interessante Türschlosskonstruktion aus Holz oder die Inschriften in den Querbalken über den Türen. Die Altstadt mit ihren engen Gassen zerfällt zusehends und nur noch wenige Familien wohnen hier. Früher konnte man die gesamte Altstadt verschließen, sodass kein Fremder hineinkommen konnte. Sehenswert ist vor allem die Mosche mit ihrem aijubidischen Minarett. Von oben hat man einen herrlichen Blick über El Qasr. Das alte Wasserrad ist noch funktionstüchtig, was Ahmed und ich gleich ausprobieren müssen. Ein 95jähriger Mann lädt uns in seinen Garten mit Orangenbäumen ein. Wir sitzen im Gartenhaus und essen die leckeren Orangen, deren Schale ganz grün ist, die aber dennoch reif und saftig und voller Kerne sind. Nach dem Eintrag ins Gästebuch gehen weiter zur Töpferei. Leider ist dort gerade Mittagspause, und wir sehen die Männer nicht bei der Arbeit. Aber trotzdem können wir die Öfen und Arbeitsplätze besichtigen. Ahmed zeigt uns wie der Ton gestampft wird, aus dem die für die Oasen typischen Wasserkrüge hergestellt werden und in denen das Wasser lange kühl und frisch bleibt. Der Rundgang ist zu Ende und wir kehren zum Resthouse zurück. Dort gibt es Mittagessen: Rindfleisch, Reis, weiße Bohnen und Tee. Ahmed erzählt uns, dass die Rotel-Tour-Touristen hierhin kommen und halbnackt, kurze Hose und Bikini-Oberteil, durch den Ort laufen. Sie verteilen einfach Kugelschreiber und Bonbons. Es sei richtig entwürdigend, wie manche Menschen die Ehre der hier lebenden Ägypter, die Frauen sind zum Teil ganz verschleiert, missachteten.
Ahmed und der Junge, der auf das Motorrad aufgepasst hat, erhalten Ihren Lohn und wir fahren weiter nach Mut, durch eine wunderschöne Oasenlandschaft. In den grünen Feldern sitzen die weißen Kuhreiher, hier Farmers Friend genannt, und dienen uns als Kulisse für eine Trinkpause im Schatten.
Die Bäckerei in Mut verkauft gerade frisches Fladenbrot für 5 Piaster pro Stück und wir kaufen gleich welches. Es schmeckt am besten frisch direkt aus dem Ofen. Die Leute lachen herzlich, weil ich die heißen Fladenbrote kaum anfassen kann und sie tänzelnd von einer in die andere Hand nehme. Die Ägypter legen die heißen Brote zum Abkühlen auf ihren Eselskarren, also legen wir sie auf unser Motorrad. Alle lachen und klatschen Beifall. Nassr, der eine MZ fährt, zeigt uns draußen in den Dünen eine herrliche Campingmöglichkeit. Er spricht deutsch und sagt uns, dass er auf eine BMW spart und wir unterhalten uns über die Pharaonen-Rallye. Zurück im Ort trinken wir Tee zusammen. Dann kaufen wir wieder im „Onkel-Mohammed-Laden“ ein: viel Wasser, Limo und Kekse und machen uns weiter auf den Weg Richtung Oase Kharga.
Kurz vor der Dämmerung finden wir etwas abseits der Straße, hinter einem Hügel, ein ideales Plätzchen für die Nacht. Nach dem Zeltaufbau genießen wir den Abend und essen einige Kekse, dazu gibt es Wasser mit etwas Limo-Geschmack. Für einen kleinen Augenblick sehen wir einen Fenek vorbeihuschen, der sofort in einer Erdhöhle verschwindet. Plötzlich ist unser friedliches Beisammensitzen zu Ende, unser Bauch rumort und nach der hektischen Suche nach Toilettenpapier flüchtet jeder hinter einen kleinen Erdhügel. Es soll die ganze Nacht so weitergehen. Waren es die unreifen Dattel, das Essen im Resthouse, wir wissen es nicht.

12.Tag
Kharga
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Die Nacht war dementsprechend unruhig und wir ziehen weiter Richtung Kharga. Die Fahrt geht schnurgerade durch die „schwarze Wüste“, die stellenweise aussieht wie eine riesige Schlacke-Halden. Kurz vor Kharga führt die Straße durch ein Wanderdünengebiet und ist teils mit Sand zugeweht. Die 120 km langgestreckte Oase Kharga war schon zu pharaonischen Zeiten von Bedeutung. Im Hauptort Karga hat man viele Nubier angesiedelt, die durch den Bau des Assuan-Stausees ihre Heimat verloren.
In Kharga angekommen fahren wir zuerst zum Tourismusbüro und werden vom Assistenten Younis zum Tee und einem Schwätzchen eingeladen. Er freut sich über den Besuch, denn nicht viele Touristen verirren sich hierhin. Von hier werden Expeditionen (zumeist von Deutschen) durch die Wüste nach Abu Simbel mit Jeeps, riesigen Tankwagen und Versorgungstrucks gemacht. Außerdem erzählt er von der Unsitte der Touristen, den Kindern einfach Kulis oder Bonbons zu schenken, ohne dass sie eine Leistung dafür erbracht haben. Die Erwachsenen sind sauer über so ein Verhalten der Touristen, denn die Kinder werden dadurch zum Betteln erzogen. Er weist uns ausdrücklich darauf hin, nur solche Gaben gegen eine Leistung zu geben, auch wenn das Kind so süß dreinschaut und bittet. Er kennt einen Platz zum Campen in der Nähe des Oasendorfes Bulak bei Ibrahim. Er telefoniert mit Ibrahim, erklärt uns den Weg und gibt einen Zettel für Ibrahim mit.
Bulak ist einen kleines Oasendorf und die Polizisten zeigen uns den Weg. Der über 80-jährige aber rüstige Ibrahim erwartet uns schon. In seinem wunderbaren Garten, den er immer noch selbst bewirtschaftet, können wir unter einer Palme unser Zelt aufbauen. Wir zahlen 8.30 LE egal wie lange wir bleiben wollen. In seinem Haus gibt es 2 Gästezimmer, eine Toilette und Kochküche. Während uns Ibrahim Tee kocht, erzählt er uns, dass hier schon viele Europäer waren. Nachdem wir den Tee getrunken haben, zeigt uns Ibrahim mit Stolz seinen ganzen Garten. Neben Dattelpalmen hat er Weintrauben und Orangenbäume und baut allerlei Gemüse an. Auch die Lufa-Gurke, die getrocknet z.B. als Putz- oder Badeschwamm verwendet wird, wächst in seinem Garten. Außerdem gehört eine in Beton gefasste heiße Quelle zum Areal, wo gerade die Jungen aus dem Dorf baden. Als diese weg sind, nutzen wir die Gelegenheit eine wohltuende Reinigung mit Badebekleidung zu vollziehen. Im Garten bereiten wir Tee und unser Abendessen und gehen zeitig schlafen.

13.Tag
Kharga
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Um 6.00 Uhr ist der Oasenfrieden vorbei. Der Dieselmotor der Wasserpumpe weckt uns. Nach dem Frühstück fahren wir zurück nach Kharga und besuchen den Souk, der nur Lebensmittel und Dinge für den täglichen Bedarf anbietet. Wir sind hier die einzigen Touristen und werden freundlich mit „salam“ begrüßt. Der Markt ist wirklich nur für Einheimische, was sich vor allem am Fleisch-Souk zeigt. Die Kühe werden zum Teil auf der Erde mit Messer und Beil kreuz und quer in Stücke geteilt. Das Fleisch, auf dem sich jede Menge Fliegen tummeln, liegt in der prallen Sonne. Beim Gemüsehändler kaufen wir 1 kg Tomaten, je ½ kg Kartoffeln, Zuchini, Auberginen, Paprika und Pepperoni (weniger kann er nicht abwiegen), alles zusammen für 2½ LE. Wir entdecken einen Laden, er hat aber leider kein Wasser in Flaschen. Beim Bäcker gibt es 2 Warteschlangen: eine für Männer und eine für Frauen. Ich stelle mich in die Frauenreihe und werde sofort nach vorne gewunken. Ich kaufte 5 heiße Brote, die ich wieder von einer Hand in die andere schiebe, bis ich diese auf dem Motorrad zum Auskühlen ablegen kann. Alles lacht zuerst und ist dann erstaunt über unser Ablagemöglichkeit. Ein Fladenbrot wird wieder sofort warm verspeist.
Nach dem tanken an einer abenteuerlichen Zapfsäule, fahren wir zurück zu Ibrahim. Ibrahim ist nicht da, statt dessen 2 Frauen, von denen wir eine Flasche „mayye“ erhalten, damit wir uns Tee kochen können. Die jüngere Frau reicht uns reife Datteln, sie schmecken süß und mehlig. Ibrahim kommt mit einer Hand voll süßer Weintrauben zurück und überreicht sie uns. Nach diesem Mahl (hoffentlich hält das unser Darm aus) fahren wir noch weiter auf der Oasenstraße nach Süden bis Baris. Der Kontrollposten hinter Baris lässt uns ohne Genehmigung (Tasrih), die man nur in Kairo erhalten kann, nicht weiterfahren. Wir fahren etwas zurück und finden die Piste, die nach Luxor geht und fahren hinein. Nach ca. 1km wieder ein Posten. Auch hier dürfen wir ohne Tasrih (wieder nur in Kairo zu besorgen) nicht weiter. Wir unterhalten uns ein wenig, denn man ist dankbar für etwas Abwechslung und erfahren, dass die Piste nach Luxor schon bis zur Hälfte geteert ist. Auf dem Rückweg nach Bulak fahren wir noch ein bisschen in die Wanderdünen hinein. Günter tobt sich in den Dünen mit dem Motorrad aus und versucht bis auf den Dünenkamm zu kommen. Meist endet dies mit dem „Einparken im Sand“. Zurück in Bulak kaufen wir wieder im „Onkel Mohammed-Laden“ Brotbelag ein, Wasser gibt’s nicht. Also filtern wir mit dem Katadyn-Filter das Wasser und füllen unsere Wasserflasche und den Wassersack auf. Abends kochen wir ein Teil unseres Gemüses vom Markt. Dazu gibt’s natürlich wieder Tee. Um 17.30 ist es schon wieder dunkel und wir kriechen ins Zelt und schlafen gut in Ibrahims Garten.

14.Tag
Kharga - Sohag
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6.10 Uhr und die Wasserpumpe rattert los. Während wir Kaffee kochen, arbeitet Ibrahim schon im Garten und die Frauen verrichten die Hausarbeit. Wir bauen das Zelt ab und verabschieden uns ganz herzlich von Ibrahim und seiner Oasenidylle. In Kharga gehen wir noch einmal beim Tourismusbüro vorbei. Younis empfängt uns wieder mit Tee und auch er und sein Chef Farid Taufik sagen uns, dass wir das Tasrih für die Direktstrecke nach Luxor nur in Kairo erhalten. Wir verabschieden uns und machen uns auf den Weg nach Asyut. Auf der öden Wüstenstrecke werden wir von einem Sandsturm begleitet und erreichen nach 233 km den Nil bei Asyut. Nach der weiten Landschaft und Menschenleere in den Oasen sind wir nun im fruchtbaren engen Niltal, in denen Massen von Menschen leben. Denn nur wenig Anbaufläche lässt die Wüste zu beiden Seiten des Nils den Menschen zum Leben übrig. Wir fahren heute noch weiter bis Sohag. Im engen Niltal gibt es keine Möglichkeit zu zelten und wir quartieren uns im Hotel „Sohag“ im Obergeschoss ein. Duschen und Wäschewaschen und dann gehen wir in die Straßen. Überall hören wir „Hello“, „Welcome“, „Whats your name“. In der Hühnerbraterei essen wir jeder ein halbes Hähnchen mit Fladenbrot, den Salat lassen wir lieber. Ein ägyptischer Student gesellt sich zu uns und wir reden über die Wiedervereinigung Deutschlands. Er muss noch etwas einkaufen und macht einen Treffpunkt in einem Café um 20 Uhr mit uns aus. Nach dem leckeren Hähnchen gehen wir ins Hotel, trinken eine Flasche Wasser und gehen ins verabredete Café. Der Student kommt ebenfalls und wir trinken Tee zusammen und quasseln weiter über alles Mögliche. Wir kommen im Dunklen zurück zum Hotel und Massen von Kakerlaken huschen in die Ecken, als wir das Zimmer betreten und das Licht anmachen. Wir stellen das Innenzelt im Zimmer auf und schlafen im kakerlaken- und moskitofreien Zelt.

15.Tag
Sohag - Luxor
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Im Hotel gibt es zum Frühstück das typische Gericht Foul. Es sind stundenlang gekochte braune Bohnen mit Sesampaste, Olivenöl, glatter Petersilie und vielen Gewürzen. Wir machen uns auf den Weg nach Luxor. Sobald man anhält, ist man umringt von unzähligen neugierigen Kindern. In Ruhe fotografieren ist unmöglich, da sie alle Utensilien anfassen und ausprobieren müssen und wir unsere liebe Mühe haben, alles im Auge zu behalten. In Luxor angekommen, wollen wir mit der Autofähre übersetzen, um ins Tal der Könige nach Theben West zu fahren, doch die ist leider z.Z. außer Betrieb. Man sagt uns, dass die Personenfähre auch Motorräder mitnimmt und wir versuchen, eine Zufahrt zur Fähre zu finden. Hier lebt man vom Tourismus und jeder versucht sein Glück, uns Wege zu zeigen, aber keiner führt zum Erfolg. Ein Mann führt uns zum Everest-Hotel, weil man dort campen könne. Fehlanzeige, es gibt hier nur ein Hotel ohne Garten. Dann fahren wir eben heute nach Karnak, dort braucht man keine Fähre. Das bepackte Motorrad lassen wir beim Wächterhaus stehen und besichtigen die Tempelanlage mit 4 Tempeln, den berühmten Säulensaal, den heiligen See und die Sphingen-Allee.
Zurück nach Luxor entdecken wir das YACA, dort ist ein offizieller Campingplatz. Zelt aufbauen, duschen, dann geht’s im Dunklen zum Luxor-Tempel. Die Anlage ist angestrahlt und sieht irgendwie mystisch aus. Danach gehen wir in den Souk und Essen und Trinken etwas.

16.Tag
Tal der Könige
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Wir finden einen Weg zur Personenfähre und müssen vom Landesteg auf’s Schiff. Es ist etwas schwierig, aber es sind mehr Helfer zur Stelle, als nötig und sie behindern sich gegenseitig und reißen fast das Motorrad in einzelne Stücke. Das Motorrad ist etwas schwerer als die Mopeds der Einheimischen, die ebenfalls aufs Schiff gehievt werden. Anschließend will jeder seinen Obolus. Auf dem Schiff sind wir die einzigen Touristen. Ein junge öffnet die Tankdeckel der Motorräder und schnieft den Benzindunst ein. Jeder lässt ihn gewähren. Es ist ein deprimierendes Bild.
Auf der anderen Seite angelangt, gibt es das gleiche Spektakel mit dem Motorrad und den Mopeds. An der Anlegestelle gibt es die Eintrittskarten und Fotoerlaubnisse für das Tal der Könige. Durch das Dorf Qurna, dessen Hauswände mit Gemälden, die anlässlich einer Pilgerreise nach Mekka (Hadj) erstellt werden, verziert sind, geht es vorbei an den riesigen Memnon Kolossen nach Theben West. Hier beginnt der Touristen-Rummel. Ganze Busladungen sind hier angekommen und zu unserem Glück stürzen sich die Souvenir-Verkäufer vor allem auf diese Touristen. Wir fahren um die Gebirgskette herum zum Tal der Könige. Drei Gräber darf man besichtigen. Tutti’s Grab ist z.Z. geschlossen. Wir gehen ins Grab Nr.16 (Ramses I), dort sind nur wenige Besucher. Die Wände des kleinen Grabes sind schön bemalt mit Szenen verschiedener Gottheiten und Fragmenten aus dem „Pfortenbuch“, aber es ist unerträglich heiß hier drin. Wir hätten nie gedacht, dass es in einem Grab, das tief im Innern eines Berges liegt, so eine schwüle Hitze herrscht. Wir freuen uns auf die „Kühlung“ draußen in der Mittagssonne bei 40 Grad. Das Grab Nr.34 (Tutmosis III) ist z.Z. geschlossen, wir gehen ins Grab Nr.35 (Amenophis II). Dies erscheint uns noch heißer. Es besteht aus mehreren Räumen und die Wände zeigen den König mit den Göttern Osiris, Anubis und Hathor. Auch hier gibt es nicht viele Touristen. Unser 3. Grab ist Nr. 57 (Haremhab, das unfertige). Eine deutsche Reisegruppe ist ebenfalls hier und während Günter fotografiert lausche ich ein wenig den Erklärungen des Reiseleiters. Dadurch, dass die Malereien und Reliefs noch nicht alle fertig sind, kann man gut die einzelnen Phasen der Bemahlungstechniken erkennen. Unsere T-Shirts sind mittlerweile durch nass und wir gehen zurück zum Motorrad. Am Ausgang beginnt der Spiesrutenlauf durch den Pulk der Souvenir-Verkäufern. Ein „la schokran“ (nein, danke) zeigt meist Wirkung.
Unsere Fahrt vorbei am Ramesseum zum Dar al Bahri auf dem Motorrad bringt Kühlung. Den Grabtempel der Pharoanin Hatschepsut kann man nur in der unteren Etage besichtigen, die oberen Etagen sind gesperrt. Während Günter auf den Fels hoch geht, um von dort Fotos zu machen, warte ich im Schatten und werde belagert von Menschen, die angeblich eine Höhle mit 200 Mumien kennen.
Zum Schluss besuchen wir noch ein paar Gräber der Noblen und entdecken neben schönen Gemälden, die den Alltag darstellen, ein wunderbares Relief einer Frau, deren Haare sich zu bewegen scheinen, wenn man den Kopf hin und her bewegt. Der Tag in diesem riesigen Areal ist schnell vorbei und wir fahren mit der Fähre zurück. Der benzinschnüffelnde Junge ist auch wieder da.
In Luxor auf dem Campingplatz sind 4 deutsche Motorradfahrer, die ersten Motorradfahrer, die wir in Ägypten sehen. Tipps und Erfahrungen werden natürlich ausgetauscht. Wir gehen in die Stadt und essen im „Hossein“ und dann schlendern wir noch durch den Souk. Hier sind viele Touristen unterwegs.

17.Tag
Luxor - Assuan
up down

Aufbruch nach Assuan. Am Nil entlang reihen sich zahlreiche Dörfer, in denen die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Bewässerungsanlagen und Wasserräder wie aus pharaonischer Zeit. Mittags erreichen wir Assuan und finden rasch den Campingplatz direkt gegenüber dem großen Friedhof. Wir sind die einzigen auf dem Platz. In der Touristeninformation erhalten wir das Tashri für Abu Simbel. Wir genießen den Sonnenuntergang am Nil, mit rotem Himmel und Feluken auf dem Wasser. Wir schlendern durch die lebendige orientalische Stadt mit ihren bunten Souks. Zu Essen gibt’s mal wieder Hähnchen von der Garküche und anschließend fahren wir zurück zum Campingplatz, duschen und ab ins Zelt. Wir sind doch nicht ganz alleine, ein Campingplatz-Wächter schläft ebenfalls hier.

18.Tag
Assuan - Abu Simbel
up down

Wir brechen zeitig auf nach Abu Simbel, doch zuvor müssen wir Volltanken und die Wasser- und Lebensmittelvorräte auffüllen, denn 290 km durch die Wüste liegen vor uns. Zuerst geht es über den alten Damm, dann fahren wir durch eine eintönige Landschaft. Nach ca. 200 km machen wir Rast, hier gibt es etwas Schatten. In der Ferne sehen wir einen Bus der eine Reifenpanne hat, die Touristen laufen in der Hitze in der Landschaft herum. Kurze Zeit später gibt es eine Polizeikontrolle, sie wollen Zigaretten oder Kugelschreiber haben. Die Straße ist jetzt abwechslungsreicher, aber wo bleiben die Kamelherden, die hier aus dem Sudan kommen sollen um den Kamelmarkt in Darau zu besuchen? Wir sehen Geier, die ein Schaf zerfetzen und zu unserer Überraschung gibt es Libellen. Was machen die ohne Wasser hier mitten in der Wüste? Am Straßenrand liegen ganze mumifizierte Kamele und manchmal auch nur Knochen- und Hautreste von Kamelen und Schafen. Kurz vor Abu Simbel an einer Karawanserei sehen wir doch noch eine Kamelherde, die in der Mittagssonne rastet. Während Günter Fotos von der Kamelherde macht, kommen 3 Kameltreiber mit großen Messern auf uns zu. Wir sind unschlüssig, was wir machen sollen. Abhauen? Wir bleiben stehen und man bietet uns die Messer zum Kauf an.
Wir erreichen Abu Simbel und es gibt eine Tankstelle, wo wir sofort Volltanken, denn sie hat nicht immer Benzin vorrätig. Es gibt ein Hinweisschild „Tourist Camp“, aber wir finden es nicht. Wenn wir fragen schickt man uns zum Tempel. Dann entdecken wir einen neuen Gebäudekomplex mit Touristenpolizei. Sie schicken uns zum Ramses Hotel, aber dort kann man nicht zelten. Im Nefertari-Hotel kann man für 30 LE campen, was uns zu teuer ist. Wir fahren erst mal zum Tempel und betreten ihn, wohl nicht ganz so wie es vorgesehen ist, durch eine Tür von der Rückseite her, wo wir in einer großen Halle landen, deren Decke von einer riesigen Betonkuppel gehalten wird. Die Betonkuppel trägt den Fels und die Erdmassen die den Tempel fast wieder in seiner Ursprungsversion von Außen wiedergeben. Im Innern stehen riesige Betonquader, die wiederum das Gerüst für die inneren Räume des Tempels bilden. Wir sind sozusagen im Zwischenfutter und das Ganze erinnert mehr an ein Kraftwerk als an eine Tempelanlage. Wir gehen hindurch und gelangen durch eine weitere Tür auf der gegenüberliegen Seite schließlich wieder aus diesem imposanten Betonmantel ins Freie und stehen nun vor dem Tempel. Er wurde originalgetreu von der UNESCO aufgebaut, sogar die herabgestürzten Teile der Fassade hat man sorgfältig dort wieder hingestellt, wo sie gefunden wurden. Man hat sogar auf die exakte Ausrichtung des Tempels nach den Sternen geachtet, sodass 2 mal im Jahr zur Sonnenwende (21.Oktober und 21.Februar) die Statuen im Innern von der Sonne erleuchtet werden. An dem heruntergefallenen Kopf erkennt man die gewaltige Größe der Statuen. Wir sind überwältigt von diesem Tempel und dem daneben liegenden kleineren Tempel, der der Göttin Hator geweiht ist. Zum einen, wie es die Ägypter zu den Zeiten des Ramses des II. diese Bauwerke erstellt haben und zum anderen, wie die UNESCO es geschafft hat, diesen wieder aufzubauen. Es gibt kaum Touristen und wir können in Ruhe das Innere der beiden Tempel besichtigen.
Nach der Besichtigung fahren wir zurück zum Nefertari-Hotel, wir wollen die 30 LE investieren und dort campen. Doch das geht jetzt auf einmal nicht mehr. Wir finden einen wunderschönen Platz südlich der Tempel auf einer Landzunge, hoch über dem Nasser See mit Blick auf die beiden Tempel. Wir bauen unser Zelt auf und in der Dunkelheit haben wir einen herrlichen Blick auf die angeleuchteten Tempel. Wir fahren noch einmal hin und machen Fotos.
Zurück zum Zelt, wir kochen uns etwas im Mondschein. Plötzlich hören wir Musik, die gar nicht arabisch, sondern mit vielen Trommeln mehr schwarzafrikanisch klingt. Bis 2.00 Uhr nachts spielen die Musiker und wir genießen diese Stimmung mit Blick auf die angeleuchteten Tempel.

19.Tag
Abu Simbel - Assuan
up down

Trotz der vielen Spuren von Schlangen und Skorpionen im Sand hat sich niemand in unseren Stiefeln verirrt. Günter macht sich zeitig auf den Weg, noch mal zu den Tempeln, um ein paar Fotos im Morgenlicht zu machen und hat das Glück, dass das Innere schon heute von der aufgehenden Sonne erleuchtet wird, heute ist der 20. Oktober. Ich baue derweil das Zelt ab. Als wir losfahren trudeln allmählich Massen von Touristen ein, die zumeist mit Bussen angekarrt werden. Sie kommen alle für das morgige Spektakel. Dass wir einen Tag zu früh waren, war gerade richtig, um diese Ehrwürdige Stimmung in Ruhe ohne die Massen genießen zu können. Wir fahren zum „Onkel Mohammed-Laden“ und kaufen Brot und Wasser ein. Alle vorhandenen Wasserflaschen sind nicht mehr korrekt verschlossen, wir haben die ganze Kühltruhe durchsucht. Wir kaufen trotzdem ein paar Flaschen und jagen sie durch den Katadyn-Filter und werfen noch ein paar Mikropur rein. Sicher ist sicher. Dann geht es zurück nach Assuan. Es geht schnell voran, bis wir zu einem schrecklichen Unfall kommen. Ein Jeep hat sich überschlagen, 2 Tote und ein Schwerverletzter. Ein Lastwagenfahrer hat angehalten und kümmert sich um den Schwerverletzten. Mir ist schlecht, ich kann gar nicht hinsehen und zittere am ganzen Körper. Günter fragt, ob er helfen kann, der Mann kann kein englisch. Dann kommt noch ein Touristenbus, der ebenfalls anhält und der ägyptische Guide erklärt Günter, dass der Krankenwagen seit 2 Stunden benachrichtig ist und bald eintreffen müsse, wir könnten nicht helfen. Wir lassen noch eine Flasche Wasser für den Schwerverletzten da und fahren mit einem mulmigen Gefühl weiter. Nach ca. 1 Stunde kommt uns der Krankenwagen entgegen. Wir erreichen den Assuan Hochdamm, fotografieren darf man nicht. Er sieht gar nicht spektakulär aus. Der Touristenbus hält auch am Damm und der Guide kommt auf mich zu und erklärt, dass er über Funk erfahren hat, dass der Verletzte noch lebt. Er hatte wohl gesehen, dass es mir nicht gut war an der Unfallstelle.
Wir fahren Tanken und Wasser kaufen, dann zum Campingplatz und bauen das Zelt auf. Die Luftfeuchtigkeit in Assuan ist seit dem Bau des Staudamms immens hoch. Wir schwitzen die T-Shirts nass bei der geringsten Bewegung. Gleich neben dem Campingplatz besichtigen wir den riesigen Obelisken mit 41,75 m Länge, der nie fertig aus dem Felsen gehoben wurde (5 LE). Hier kann man gut erkennen, wie solche Steinquader aus dem Felsen gemeißelt wurden.
Mit einer Feluke fahren wir für 1LE rüber auf die Insel Elephantine. Hier gibt es ein Ruinenfeld und den Nilometer, der allerdings nicht so imponierend ist wie der in Kairo. Wir wandern schwitzend durch das nubische Dorf bis zur Nordspitze, wo das Oberi-Hotel steht. In den Gassen der nubischen Dörfer liegt leider viel stinkender Müll, der in der unerträglichen Hitze nicht gerade angenehm ist. Dann kommen die Gärten, in denen das Klima etwas angenehmer ist. Wir finden den Eingang zum Garten des Ober-Hotels und fahren mit der Hotelfähre zurück.
Diesmal sind wir nicht alleine auf dem Campingplatz, wir haben Besuch erhalten: Rotel-Tours, der „Mumien-Express“, ist da. Wir fahren in die Stadt und bummeln im Souk durch die Gassen. Im Gewürzsouk lässt uns ein Händler alle möglichen Gewürze probieren und riechen. Wir füllen unseren Lebensmittelvorrat mit Datteln und Erdnüssen auf und bekommen noch Sachen dazugeschenkt. Günter muss Fotos machen mit dem Händler und mir. Er gibt uns die Adresse, wir sollen sie ihm zuschicken. An einer Gar-Küche essen wir Schisch-Kebab und sind für den Abend abgefüllt. Zurück zum Campingplatz, wir sind doch wieder alleine, die Rotel-Tours sind weg und wir sehen auch keinen Wächter. Ein langer Tag geht zu Ende. In der Nacht werden wir wach, weil Leute ums Zelt laufen. Es ist uns etwas mulmig, aber es sind nur 2 Wächter, die nach dem Rechten geschaut haben.

20.Tag
Assuan - Luxor
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Wir stehen zeitig auf, heute ist Dienstag und in Darau, ca. 42 km nördlich von Assuan bei Kom Ombo, ist Kamelmarkt. Unterwegs überholen wir viele Autos und Pickups, die Tiere zu dem Markt transportieren. Der Kamelmarkt ist heutzutage eher ein Esel-, Schaf-, Ziegen- und Wasserbüffel-Markt. Die Kamele sind deutlich in der Minderheit. Trotzdem er ist sehr interessant. Die Händler sitzen zusammen, rauchen Wasserpfeife und trinken Tee. Es braucht Ruhe und Zeit, bis man sich handelseinig ist. Das Geld wird mehrmals hin- und hergeschoben. Es werden immer noch Esel, Schafe und Ziegen angekarrt. Für jede Tierart gibt es eine spezielle Transportmethode. Kamele werden sitzend auf Pickups festgezurrt, Ziegen und Schafe packt man an den Hörnern und trägt sie so, über der Schulter hängend, weg. Rappeldürre Kühe und friedfertige Wasserbüffel warten geduldig in der Sonne. Vielleicht kommt ja nächsten Dienstag die Kamelherde von Abu Simbel an. Schlangenbeschwörer unterhalten die Ver- und Einkäufer und die wenigen Touristen, die sich hierher verirrt haben. Fliegende Garküchenhändler bieten Essen an und überall bieten Kinder auf Tabletts Tee an, der unentwegt getrunken wird.
Wieder zurück in Assuan, bauen wir das Zelt ab und machen uns nach Luxor auf den Weg. In der Mittagshitze schwitzen wir reichlich. Auf dem Campingplatz in Luxor entdecke ich, dass ich die Gaskartusche nicht richtig geschlossen hatte und nun fast alles Gas entwichen ist. So ein Ärger, denn wo kriegen wir neue Kartuschen her?
Eine Art schweizer Rotel Tours ist auf dem Platz und wir unterhalten uns lange. Abends geht es noch mal in den Souk um in der Garküche zu essen und Luxor bei Nacht zu genießen.

21.Tag
Luxor - Port Safaga
up down

Weiterfahrt nach Quena, dort kaufen wir frisches Brot und fahren durch ein Wadi der ägyptischen Wüste Richtung Rotes Meer. Anfangs ist das Wadi durch Eisenbahn und Leitungen verschandelt. Nachher wird es abwechslungsreicher, die Berge kommen näher an die Straße und nach ca. 120 km fahren wir hinter Qena auf einer landschaftlich schönen Piste nach Mons Claudianus ab. Es gibt fantastische Ausblicke auf die roten Berge, die Strecke ist teils tiefsandig. Wir kommen am Brunnen Bir Mitgal vorbei, der zu römischen Zeiten zum Versorgungsnetz der Römer gehörte. Die Ruinen des Mons Claudianus sind nicht so beeindruckend, es ist mehr die landschaftlich schöne Strecke dorthin.
Wir kommen wieder zurück auf die Hauptstrecke und das Wadi wird enger und die roten Berge höher. Eine wunderschöne Landschaft. Plötzlich hören die Berge abrupt auf und wir sind am Roten Meer in Port Safaga. Am Sun Beach Camp direkt am Meer kann man für 10 LE zelten. Das Wasser ist warm, ein angenehmer Wind weht und Günter stürzt sich mit der Schnorchelbrille ins Wasser und ist ganz begeistert (unser erstes Schnorchelerlebnis). Ich mache erst mal „Trockenübungen“ mit der Schnorchelbrille an Land. Günters begeisterte Rufe lassen meine Neugierde größer werden als meine Panik beim Schnorcheln. Es ist herrlich, wir genießen das Wasser nach so viel Wüste. Wir schnorcheln raus bis zum Riff und können uns nicht satt sehen an den bunten Fischschwärmen und Korallen, Günter entdeckt sogar einen Feuerfisch. Es hat sich gelohnt, trotz Platzmangel auf dem Motorrad, die Schnorchelbrillen mitzunehmen. Wir duschen und bereiten unser Abendessen auf der Veranda, wo wir mit eineigen anderen Touristen unsere Erlebnisse austauschen.

22.Tag
Port Safaga - Suez
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Abfahrt nach Norden Richtung Hurghada, das ein riesengroßes Touristennest mit allem Nepp ist. Die Brotpreise sind hier kräftig angehoben. Wir ziehen weiter, die Fahrt an ölverschmutzter und verminter Küste entlang mit kräftigem Gegenwind ist ziemlich eintönig. Ca 27 km vor Ras Za’farna biegen wir in einen Canyon ein, der zum Pauluskloster führt. Ein netter Mönch führt uns, nach einer Tasse Tee, durch das Kloster und erklärt uns die Fresken und Bilder. Nach diesem beschaulichen Zwischenstopp machen wir uns weiter auf nach Suez. Die Strecke ist jetzt auch schöner, die Berge sind näher am Meer, aber der Strand ist nach wie vor öl- und minenverseucht. Gerade noch im Hellen erreichen wir die nach Öl stinkende Stadt Suez. Bei den Ölraffinerien am Ortseingang finden wir sofort das Youth Hostel und wir können dort campen. Die Klos und Duschen sind heruntergekommen und es liegt laut an einer Hauptstraße. Wir fahren in die Stadt und suchen vergeblich die Touristeninformation. Die Stadt ist voll mit quirligem Verkehr, fast wie in Kairo. An einer Garküche essen wir Hühnchen und entdecken am Hafen ein großes Fest. Zurück am Youth Hostel fragen wir, ob man Gaskartuschen in der Stadt bekommt. Man gibt uns einen Adresse, wir werden morgen hinfahren, für heute ist es genug mit Stadtfahrten. Im „Onkel-Mohammed-Laden“ nebenan kaufen wir Lebensmittel und Wasser.

23.Tag
Suez - Wadi Feiran
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Heute ist Freitag, also ist der Gaskartuschen-Laden geschlossen. Nur frisches Brot erhalten wir noch und dann geht es weiter. Die Straße direkt am Suez-Kanal ist gesperrt. Wir fahren durch den Tunnel unter dem Kanal durch. Es ist schon ein komisches Gefühl. Ein Dampfer fährt durch den Kanal und es schaut aus, als stände er mitten in der Wüste, da man das tieferliegende Wasser nicht sieht. Ein Militärposten macht uns darauf aufmerksam, dass man nicht fotografieren darf. Im unbeobachteten Moment schießt Günter ein Foto aus der Hüfte heraus, vielleicht wird es ja was.
Die Fahrt auf der Sinai-Halbinsel geht am Meer entlang nach Süden und die Berge rücken von Osten her immer näher ans Meer heran. Ca. 115 km vom Tunnel entfernt liegen direkt am Meer die Pharaonenquellen „Hamman Faraun“, wo wir unser Frühstück genießen. Touristen werden angekarrt, die in den stinkenden, heißen Schwefelquellen baden. Dann führt die Straße für eine kurze Strecke weg vom Meer durch einen Canyon, der allerdings verbreitert wurde. In Ras Abu Rudeis kaufen wir Brot und biegen kurze Zeit später ins Wadi Feiran ab. Hier müssen vor nicht allzu langer Zeit riesige Wassermassen geflossen sein, denn die Straße ist völlig zerstört und weggerissen. Die fahrt durch den weichen Wadi-Sand geht nur schleppend voran. Wir werden entschädigt durch die im Nachmittagslicht rötlich leuchtenden Berge. Das Wadi in der Gebirgswüste wirkt atemberaubend.
Die Nachtlagersuche gestaltete sich etwas schwierig. Immer wenn wir dachten, einen einsamen Platz gefunden zu haben, waren wir umringt von Menschen, die plötzlich aus allen Winkeln auftauchten. Kurz vor der Dämmerung finden wir dann doch noch ein idyllisches Plätzchen in einem Seitental. Wir kochen schnell noch etwas und genießen den Sonnenuntergang, der die Berge ringsum in kitschigen Farben erstrahlen läßt. Auch der Sternenhimmel ist fantastisch.

24.Tag
Wadi Feiran - Mosesberg
up down

Wir haben herrlich und in Ruhe geschlafen, schütteln, wie jeden Morgen, unsere Stiefel vorsichtshalber aus, aber keine Skorpione kommen zum Vorschein. Eigentlich hätte doch unser Fußschweiß alle Skorpione aus 5 km Umgebung anziehen müssen. Also ziehe ich meine Stiefel an. Es knirscht, ein Stich im Zeh, der Stiefel ist zu eng! So schlecht wie ich in den Stiefel reinkomme, komme ich auch wieder raus und in meiner Panik geht es noch schwieriger. Kreidebleich schüttle ich erneut den Stiefel aus und ein walnusgroßer schwarzer Käfer krabbelt mitgenommen aus dem Stiefel. Nach diesem Adrenalinstoß beginnt ab jetzt unser Frühsport, das Aufpumpen des hinteren Motorradreifens, er verliert etwas an Luft.
Wir fahren durch das enge Wadi, bizarre Felsformationen in allen Farben begleiten uns. Immer mehr Beduinen, Kinder, Frauen mit schwarz-roten Kleidern, die Ziegen hüten und freilaufende Kamelherden begleiten uns. Wir erreichen die malerische Oase Feiran mit ihren Dattelpalmen, die im engen Wadi liegt. Die Hauptsraße ist eine Sandpiste und die Menschen schauen neugierig zu, wie wir uns vollbeladen durch den Sand wühlen. In dem breiteren Wadi el Sheikh beginnt wieder die Teerstraße, die einigermaßen intakt ist. Die Berge werden höher, die Straße biegt nach Süden ab und schlängelt sich durch die enge Felsschlucht des Watiya-Passes. An der Abzweigung nach Nuweiba gibt es eine Tankstelle und Souvenierläden. Kurz dahinter gibt es die Abfahrt zum feudalen St. Cathrine Tourist Village. Es gibt viele neue Bauten, eine Bäckerei, einen Supermarkt und die Tourist-Police. Der alte Teil von St. Catherine liegt halb rechts von hier.
Wir fahren zum Kloster, dort ist schon viel Rummel. Auch vor dem Kloster gibt es viele Neu- und Rohbauten. Das Katharinenkloster beherrscht wie eine Festung das enge Tal in 1570 m Höhe am Fuß des Mosesberges. Wir besichtigen die Kirche, den Brunnen, den berühmten Dornstrauch und die Trypton Kapelle mit tausenden von Totenköpfe und -Gebeinen. Ein Pater zeigt uns den Klostergarten. Der Spaziergang im frischen Grün ist eine Abwechslung zu der kargen Gebirgswelt.
Gegenüber dem Kloster klettern wir ein Stück den Berg hinauf, wo wir eine herrliche Sicht von oben ins Kloster haben, frühstücken Kekse und klettern wieder herunter. Dann fahren wir zum Dorf unterhalb des Klosters zurück und lassen unser Motorrad und das Gepäck bei einem Haus zur Verwahrung, nehmen Schlafsack, die dünne Alu-Isomatte, Wasserflasche und warme Klamotten mit. Kaufen noch Wasser und Kekse und machen uns in der frühen Nachmittagshitze auf den Weg zum Mosesberg. Wir wollen noch vor dem Sonnenuntergang ankommen.
Es gibt 2 Wege, den kürzeren aber steileren Treppenpfad und den etwas längeren aber angeblich bequemeren Fußweg. Wir entscheiden uns für den längeren Fußweg und erreichen den Gipfel mit Pausen nach 2 ¼ Stunden. Der Weg führt durch eine Felsschlucht und vorbei an einer hübsch gelegen Einsiedelei die umrahmt ist von Zypressen. Manche Touristen lassen sich auf Kamelen hinauftragen. Die armen Tiere, deren Hufe für weichen Sand konzipiert sind, müssen hier mit Last über groben Schotter und auf Felswegen laufen. An der Strecke gibt es kleine Buden, wo man Essen und Trinken kaufen kann. Wir hätten gar nicht soviel Wasservorräte schleppen brauchen.
Auf dem Gipfel gibt es vier Buden, wo es Kekse, Brot, Tee, Wasser und Decken gibt. Die Aussicht hier oben ist berauschend, man kann sich nicht satt sehen. Die Basilika ist geschlossen und noch sind wir ziemlich allein hier oben mit den Budenverkäufern und können die Aussicht und die Schwätzchen mit den Budenverkäufern genießen. Zügig wird es dunkel und die Berge tauchen in allen möglichen Rot-Töne ein und versetzen die Gebirgswelt in eine mystische Stimmung. Nur wenige sind zum Schlafen hier oben und sich warmtänzelnd steht man noch einige Zeit zusammen und tauscht Erfahrungen und Abenteuerberichte aus.
Wir hatten uns im Hellen schon einen Schlafplatz ausgesucht, aber es ist schwierig, da die windgeschützten Ecken leider auch als Toilette missbraucht sind. Es wir empfindlich kalt hier auf 2285 m und wir mieten uns noch 2 Decken, eine zum unterlegen auf den verschmutzten Boden und eine für über die Schlafsäcke. Unsere Ecke ist zu windig, wir ziehen noch einmal um und nach dem wir alle Sternbilder identifiziert haben schlafen wir etwas fröstelnd ein.

25.Tag
Mosesberg - Dahab
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Um 3.30 Uhr ist der Frieden vorbei und der Rummel geht los, die Buden machen auf und nach und nach treffen Reisegruppen ein, die im Dunkeln hier hoch gewandert sind. Mit dem Megafon werden hier in allen Sprachen, vor allem in koreanisch und japanisch, die Touristen informiert. Ich schlafe trotz Rummel wieder ein.
Günter weckt mich, als die Sonne aufgeht. Es gibt Gedrängel um die besten Fotoplätze und überall blitzen die kleinen Kameras den Sonnenaufgang an. In Decken eingehüllt, wartet jeder darauf, dass die Sonne über die Berge kommt. Das tolle Bergpanorama macht den Sonnenauf- und -untergang zum einmaligen Erlebnis. Endlich kommt die Sonne über die Berge und lässt sie in allen möglichen kitschigen Rot-Tönen erstrahlen. Schnell ist der Zauber vorbei, wir packen zusammen und machen uns auf den Weg nach unten. Die ersten Treppen sind schon genug, unsere Knie halten den Treppenweg nicht aus und wir gehen wieder den langen Weg zurück. In knapp 2 Stunden haben wir unser Motorrad wieder erreicht und frühstücken erst mal.
Nachdem unsere Vorräte wieder aufgefüllt sind, geht es weiter in Richtung Ostküste. Unterwegs im Wadi sehen wir immer wieder freilaufende Kamelherden. Auch hier ist das Bergpanorama bezaubernd. Ein Kamel direkt am Straßenrand, mit den Bergen im Hintergrund, gibt eine tolle Szenerie ab. Die Berge rücken eng an die Straße und das Wadi wirkt eher wie ein Canyon. Nach dem Kontrollposten (Ägypter und UN-Friedenstruppe) sehen wir von der Erosion geschaffene bizarre Felsformationen. Anschließend erreichen wir die Küstenstraße nach Nuweiba. Es gibt einen Hinweis auf Camping beim Hotel, aber dort gibt es keinerlei Schatten. Wir fahren noch Süden bis Dahab, hier soll es laut 3 Reiseführern einen Campingplatz geben. Der Campingplatz ist aber noch im Bau und wir fahren zum Beduinen-Camp. Dort kann man aber nur Zimmer mieten, außer bei Abraham im „Camp Musa“, hier können wir unser Zelt im Garten aufbauen. Abraham lädt uns gleich zum Tee ein und wir sitzen mit ein paar Beduinen und einer Australierin in einer fröhlichen Runde, es wird musiziert und gesungen.
Es gibt nur einen kleinen Zugang zum Meer, das Korallenriff ist zwar vor der Tür, aber es ist zu windig zum Schnorcheln. Wir bummeln in den Ort, essen in einem typischen ägyptischen Restaurant „Koscheri“, wo man auf dünnen Matratzen auf der Erde sitzt. Es gibt viele verschiedene Sorten Nudeln, Reis und geröstete Zwiebeln. Es schmeckt lecker. Wir bummeln weiter durch den langgestreckten Ort, die Camps und Restaurants werden zum Ortsende hin immer touristischer, es gibt Diskotheken, Souvenierläden und überall tönt westliche Pop-Musik. Wir kaufen Wasser und bummeln zurück zu Abraham. Dort ist alles still und wir sind auch müde. Die Nacht zuvor auf dem Mosesberg war zu kurz und wir legen uns schlafen.

26.Tag
Dahab - Ras Mohammed - Dahab
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Wir haben kein Glück, das Meer ist schon wieder aufgewühlt und der hintere Reifen des Motorrades ist platt. Das Ventil ist anscheinend kaputt. Wir versuchen den Reifen mit Gaspatronen zu füllen, doch nach der zweiten Patrone ist der Adapter zwischen Ventil und Gaspatrone kaputt und wir müssen mit der Luftpumpe weitermachen.
Unser Tagesausflug geht nach Ras Mohammed, die Landschaft ist toll und wir biegen in ein Seitenwadi Richtung Sharm el Sheik ein. Wir denken den Weg nach Nabaq gefunden zu haben, aber es ist nur ein Weg zu einem Steinbruch, also fahren wir zurück zur Hauptstraße. Dort treffen wir 2 Münchener auf dem Motorrad, die nach Jordanien unterwegs sind. Kurzer Plausch und weiter geht es durch die fantastische Bergwelt. In fast jedem Seitental sieht man Beduinen mit ihren Viehherden. Sharm el Sheik ist ein aufstrebender Touristenort, viele Neu- und Rohbauten. Wir fahren zum Naturschutzgebiet Ras Mohammed (2 $ pro Person Eintritt). Hier liegen die nördlichsten Mangrovenwälder, sie sind beeindruckend. Wir sehen einen Rochen im klaren Wasser und kleine Krebse verschwinden in Sandlöchern. Dann fahren wir zur Haibucht, aber wir sehen keine, und weiter geht es zur haiüberwachten Badebucht. Dort gibt es aber keine Überwachung, Günter geht trotzdem schnorcheln. Bei dem Versuch, einem „Riesenfisch“, der auf Günter zugeschwommen kommt, auszuweichen, schürft er sich die Beine an den Korallen auf. Wer hat sich eigentlich mehr erschrocken, Günter oder der Fisch? Wir frühstücken und fahren noch in eine andere Bucht. Von der Aussichtsplattform aus, kann man auf das Korallenriff sehen und die bunten Fischschwärme und großen Fische sind gut zu erkennen. Wir fahren auf einer Piste entlang der schönen Küste mit Mangrovenwäldern und dem Schiffswrack „Maria Schröder“ nach Nabaq. Bei irgendeinem Fotostopp habe ich die Straßenkarte liegen lassen. Wir müssen jetzt exakt nach der in dem Reiseführer (Reise Know How) beschriebenen Route fahren, der Sprit ist auch nicht mehr reichlich vorhanden und es beginnt zu dämmern. Na prima, unser Zelt steht in Dahab und eine Übernachtung hier im Wadi fällt somit flach. Die schöne Landschaft des Wadi Kid nehmen wir kaum wahr in der Dämmerung auf der schwierigen Sandpiste. Die Beschreibung im Reiseführer ist exakt, die Abzeigungen der vielen Sandpisten sind beschrieben durch Markierungen wie Ölfässer, dicke Felsbrocken usw. Wir finden tatsächlich kurz vor der Dunkelheit auf die Hauptsraße zurück und über den Sharia Pass erreichen wir im Dunklen Dahab. Wasser kaufen und trinken, vor lauter Aufregung hatten wir unseren Durst vergessen. Bei Abraham sind 3 Taxis mit Touristen angekommen, somit ist heute sein Camp ausgebucht. Im Ort gehen wir Fischessen und anschließend zurück zu Abraham. Dort sitzen die Taxifahrer bei Abraham und wir werden eingeladen, mitzufeiern. Sie haben ein paar Bongos mitgebracht und es beginnt ein gemütlicher Abend mit Musik und Gesang. Danach geht es hundemüde ins Zelt.

27.Tag
Dahab - Nuweiba
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Das Meer ist immer noch aufgewühlt, es mag uns wohl nicht. Wir packen zusammen und müssen wieder Luftpumpen. Auf geht’s zum „Blue Hole“, dort ist das Meer ruhiger und Günter stürzt sich sogleich hinein und schwimmt zum Loch hinaus. Ich brauche mal wieder etwas, bis das Luftholen durch den Schnorchel klappt. Schließlich siegt einmal mehr wieder die Neugierde vor meiner Panik unter Wasser und ich werde reichlich belohnt von einer wunderbaren Unterwasserwelt, die unter mir liegt. Ich schwimme sogar bis zu Rand des „Blue Holes“ und bin begeistert. Aber jedes Vergnügen hat ein Ende und wir fahren weiter nach Nuweiba. Im alten Ortskern sehen wir die Motorrad-Fahrer von Luxor wieder. Zusammen fahren wir zum Hüttendorf und mieten uns in Strohhütten ein, in die wir unser Innenzelt aufbauen. So ist man sicher vor allem möglichen Getier. Im Camp-Restaurant gibt es dann viel zu erzählen. Es gesellen sich noch ein Paar Israelis dazu, die Nacht wird lang. Zum Essen gibt es sogar Bier. Es schmeckt hervorragend nach all der entbehrungsreichen Zeit. Von den Israelis erhalten wir zum Abschied noch eine Gaskartusche, denn sie reisen morgen ab.

28.Tag
Nuweiba
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Gemeinsames Frühstück mit den Motorradfahrern, denn sie reisen ebenfalls ab. Wir wollen noch Schnorcheln vor dem Camp, aber es ist hier zu sandig und dadurch gibt es keine gute Sicht. Wir setzen uns aufs Motorrad und fahren ein paar Kilometer nördlich und finden ein tolles Plätzchen zum Schnorcheln. Es ist herrlich hier, man kann sich nicht satt sehen an der Unterwasserwelt. Nach diesem langen und schönen Schnorchelerlebnis kaufen wir Wasser, Kekse und Joghurt und fahren zurück zum Camp und wollen duschen, aber es ist kein Wasser da und alles ziemlich verdreckt. Das notwendige Wäschewaschen fällt somit auch aus. Eine Kamelfamilie wandert am Strand entlang, ein tolles Bild. Wir essen noch mal im Restaurant Fisch und Shrimps mit Bier und schlafen wieder in unserer Hütte mit Innenzelt.

29.Tag
Nuweiba - Coulered Canyon - Nuweiba
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Heute geht es zum Coulered Canyon. Zuerst fahren wir bis zur Oase Furtega, sie ist sehr klein und unbewohnt. Dann geht es auf einer Schotterstraße mit Wellblech und ausgefahrenen Sandpassagen zum Canyon. Die Anfahrt ist leicht zu finden und wir stellen das Motorrad am Parkplatz B ab, d.h. wir laufen den Canyon von unten nach oben. Er ist wahnsinnig schön. Das Wasser hat einen ganz engen Durchlauf geschaffen und die glatten Wände zeigen Farben und Strukturen in allen möglichen Tönen, als wären sie bemalt. Mit nicht allzu großer Fantasie erkennt man z.B. Pferdeköpfe, Landschaften oder Tiere. Auf einmal versperrt uns ein riesiger Felsbrocken den Weg und wir müssen über ihn hoch klettern. Ob die Idee so gut war, von unten nach oben zu laufen? Wir schieben uns mit dem Rücken und den Füßen Stück für Stück zwischen den beiden Wänden ca. 2 m hoch, bis wir die Höhe des Felsklotzes erreicht haben und über ihn hinweg können. So gibt es noch ein paar Mal einige Hürden zu überwinden. Aber am Ende hat es Spaß gemacht und wir kommen am Parkplatz A wieder aus dem Canyon heraus. Nur einmal sind uns 2 Leute begegnet, ansonsten hatten wir den Canyon für uns alleine. Wir laufen zum Motorrad zurück und fahren wieder nach Nuweiba, einkaufen und was essen. Dann fahren wir wieder zu unserem Schnorchelplatz und vergnügen uns den Nachmittag das letzte Mal im Wasser. Abends genehmigen wir uns wieder ein Bier, dazu gibt es arabische Pizza und Hähnchen und legen uns anschließend zufrieden in unser Hütte ab.

30.Tag
Nuweiba - Kairo
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In der Nacht haben wir Albträume, wegen dem Rückflug und den bevorstehenden Zollformalitäten. Am Morgen packen wir unsere Sachen zusammen und auf geht es Richtung Kairo. Zuerst wieder an der Oase Furtega vorbei nach Norden, wo der Weg in El Thamad auf die Straße nach Suez trifft. Die Landschaft ist nicht berauschend. Die Fahrt geht zügig voran und wir treffen kurz nach Mittag in Kairo, Stadtteil Heliopolis im Hotel Gabali ein. Wir werden freundlich begrüßt und müssen erst mal berichten, wo wir überall waren. Man hat ein tolles Zimmer mit Balkon zur Straße hin. Erst mal duschen und Wäschewaschen. Dann fahren wir zum Flughafen, Geld tauschen und zum Lufthansa-Büro, die Flüge bestätigen. Wir fragen den Menschen am Schalter bezüglich des Zolls und der Abfertigung des Motorrades. Er kann dazu nichts sagen. Die Gedanken an den Zoll lassen das mulmige Gefühl wieder aufkommen. Zurück zum Hotel und wir essen wieder was Leckeres in der altbekannten Braterei um die Ecke. Anschließend gibt es Stella Bier in der Bar mit arabischer Musik gespielt auf einer Hammond-Orgel. Wir fragen uns, wie man die schrägen Töne damit erzeugen kann. Vom Balkon unsers Zimmers haben wir einen Blick auf das Treiben vor dem Hotel: Unentwegt werden Wasserpfeifen (Schischa’s) prepariert und an die Gäste verteilt, die diese genüsslich und in aller Ruhe rauchen. Ein Junge mit einem Weihrauch-Schwenker räuchert die Gäste ein und erhält ein paar Piaster dafür. Wir legen uns schlafen und haben Albträume bezüglich der bevorstehenden Zollformalitäten.

31.Tag
Kairo
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Frühstück und ein kleiner Plausch mit „unserem“ Ober, ein alter Mann aus Nubien. Er freut sich über unsere erlernten arabischen Worte. Wir fahren zum Flughafen zur Touristenpolizei. Die können uns nicht helfen, sie verstehen gar nicht worum es geht, und wo unsere Probleme sind. Wir fahren zur deutschen Botschaft, die allerdings heute geschlossen ist, es ist Samstag. Man lässt uns aber trotzdem hinein, es gibt eine Notbesetzung im Hause. Die Botschaftsangehörige hört sich unseren Bericht von den Zollproblemen an. Sie macht uns wenig Mut, die Ägypter hätten vor 4000 Jahren die Bürokratie erfunden und seither stetig erweitert und verkompliziert. D.h. unsere Zollformalitäten rückwärts werden mindestens genauso lange und problematisch sein wie zuvor. Das größte Problem für uns sei wohl die Tatsache, dass wir beweisen müssen, keinen Unfall oder Scherereien mit der Polizei gehabt zu haben. Wir sind nicht gerade begeistert. Aber sie telefoniert mit dem Lufthansa-Cargo-Chef und kann uns 2 Namen von der Cargo-Gesellschaft nennen, an die wir uns wenden sollen. Da es schon zu spät für den Zoll ist, fahren wir zur Zitadelle. In der Alabaster Moschee können wir fast ungestört die Ruhe genießen und das prachtvolle Innere, das im türkischen Rokoko erbaut ist, bewundern. Auf der Terrasse hat man einen wunderschöne Blick auf die Stadt bis hin zu den Pyramiden. Wir fahren zu den beiden Moscheen Er-Rifai und Sultan Hassan, in die wir beide hineingehen. Danach geht es zur Al Azhar Moschee, stellen das Motorrad ab und laufen von dort in den berühmten Bazar Khan al Kalili. Hier kann man sich treiben lassen bis in die nicht so touristisch angehauchten Souks und sich an all den schönen Dingen des Bazars erfreuen oder auch einiges kaufen. Nach diesem herrlichen Bummel essen wir an der Ecke der grünen Brücke Koscheri und fahren zum Ägyptischen Museum. Dort kaufen wir 10 von den „echten“ Papyrus-Bildern für insgesamt 7,5 LE. Mit unserer touristischen Ausbeute geht es zum Hotel zurück, wir müssen noch Papiere sortieren. Zum Ausklang genießen wir wieder unser Stella Bier mit arabischer Musik in der Bar.

32.Tag
Kairo
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Die Nacht habe ich nicht gut geschlafen, da ich Magen- und Darmkrämpfe hatte, wobei ich nicht weiß, ob sie vom Essen oder von den, uns bevorstehenden, Zollaktionen kommen. Günter setzt mich vor der Cargo-Halle ab, damit ich mit Herrn Kletzer sprechen kann, während er zum Verkehrsamt fährt um mit der Abmeldung des Motorrades zu beginnen. Ich gehe also zu Herrn Kletzger, er ist Mann, der uns von der Botschaft empfohlen wurde. Ich berichte ihm von der Einreise. Wir hätten damals sofort zu ihm kommen sollen - woher sollten wir das wissen?. Er gibt uns einen Agenten, der erledigt alles in 2 Stunden. Günter solle nichts auf dem Verkehrsamt machen. Ich laufe wie ein Irrsinniger zum 1 km entfernten Verkehrsamt. Zum Glück haben die dort noch nicht angefangen. Wir fahren zurück zur Cargo-Halle. Unsere beiden Agenten sagen, dass wir bis 12.00 Uhr weggehen können, aber wir bleiben, wer weiß was die noch alles brauchen. Die 2 Jungs reichen uns Tee und wir sollen dann das Motorrad zum Hotel fahren und wiederkommen. Wir verstehen das zwar nicht ganz, aber gehorchen. Zurück an der Cargo-Halle fahren wir mit den Agenten zum Verkehrsamt im Stadtzentrum. Hier findet die Überprüfung statt, ob wir Scherereien mit der Polizei oder sogar einen Unfall hatten. Dies erledigen die Agenten mit 20 LE und in 1 Stunde sind wir wieder raus aus dem Büro.
Während der Fahrt von der Stadt zum Verkehrsamt am Flughafen gießt es wie aus Eimern. Im Verkehrsbüro am Flughafen gibt es nicht mehr zu erledigen, da es schon geschlossen ist. Die Agenten fahren uns zum Hotel. Es hat zwar aufgehört zu regnen, aber die Straßen stehen total unter Wasser, weil das Wasser gar nicht abfließen kann. Kanalabflüsse gibt es nicht. Der Verkehr kommt fast zum erliegen. Es herrscht hier ein ähnliches Chaos wie in Deutschland, wenn der erste Schnee fällt. Viele Auto fahren nicht mehr, weil die Zündanlagen nass sind. So etwas kommt wohl nicht häufig vor. Wir erreichen schließlich doch noch das Hotel und die Agenten versprechen uns, dass Morgen alle Zollformalitäten erledigt würden. Wir glauben es zwar noch nicht ganz, aber immerhin haben wir heute schon eine große Hürde, dank dieser Agenten, problemlos geschafft.
Durch den Regen ist es kalt geworden, wir gehen wieder zu unserer Hühnerbraterei und essen etwas Warmes. Die freuen sich immer riesig über uns, denn hier kommen sonst keine Touristen zum Essen hin. Es gibt immer einen kleinen netten Plausch. Zurück zum Hotel, geht es den gewohnten Weg zur Bar mit Stella-Bier bei arabischer Musik. Man kann sich fast an unser Ritual gewöhnen.

33.Tag
Kairo
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Nach dem Frühstück fahren wir zum Flughafen und warten in einem Büro der Cargo-Halle bis 10.15 Uhr. Dann fahren Günter und die 2 Agenten mit den Nummerschildern zum Verkehrsamt am Flughafen. Ich bleibe bei den Motorradkoffern. Die Zeit geht nicht um, ich lese, aber nach einer Weile kann ich mich nicht mehr konzentrieren. Viel ins Tagebuch schreiben kann ich auch nicht. Es wird 14.15 Uhr, sie sind immer noch nicht vom Verkehrsamt zurück. 2 Tage sind nun schon um, wir haben nur nach 2 Tage bis zum Abflug und noch nicht mehr als das Abmelden des Motorrads ist erfolgt. Noch keinerlei Zollformalitäten sind erledigt. Die Büros werden gleich schließen und wo schaffe ich die 2 Motorradkoffer, den Rucksack und die 2 Helme hin. Ich werde, wenn die Büros schließen, zu Herrn Kletzger gehen, hoffentlich ist er noch da. Der deutschsprechende Mann aus der Cargo-Halle kommt und ich höre, wie er von dem Motorrad spricht. Ich frage ihn, ob Herr Kletzger heute da ist und ob das heute noch was wird. Er erklärt mir, dass wir bei der Ankunft an den falschen Agenten geraten sind, er hätte vieles falsch gemacht. Deshalb sei es so schwierig, alles wieder korrekt zu machen. Der eine Agent, der mit Günter weggefahren ist, kommt ins Büro. Heute würde noch alles fertig, berichtet er. Ich bin ein wenig erleichtert, glauben kann ich es erst, wenn es wirklich soweit ist. Er rennt mehrmals hektisch rein und raus, holt dann die Motorradkoffer. Ich bleibe weiter hier und warte. Er kommt zurück und sagt, dass das Motorrad durch den Zoll sei, aber die Koffer können nicht mit. Die sollen wir als Handgepäck mitnehmen. Also gibt es das Geld von der Bankbürgschaft nicht zurück. Der Chef der beiden Agenten überlegt, ob noch etwas zu machen ist. Er will morgen mit uns zur Bank. Den Schlüssel vom Motorrad lassen wir beim Agenten Ibrahim, es ist noch zuviel Benzin im Tank. Einer vom Zoll fährt uns zurück zum Hotel. Unser allabendliches Ritual nimmt wieder seinen Lauf: Essen in der Braterei mit Plausch und dann die Absacker-Biere im Hotel mit arabischer Musik.

34.Tag
Kairo
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Mittlerweile haben wir einen Stamm-Taxifahrer. Er begrüßt uns morgens und ohne zu fragen weiß er, dass es zur Cargo-Halle geht. Immer wieder versucht er mit Geschichten über seine hühnchenessende Frau noch mehr Fahrgeld herauszuschinden, als vorher abgemacht war. Wir bleiben eisern.
An der Cargo-Halle will Günter ein Foto machen. Es ist nicht erlaubt, da dies Zollgebiet ist. Aber wir sind mittlerweile so bekannt auf diesem Areal, dass sich ein Mann für uns einsetzt und wir dürfen fotografieren.
Im Lufthansa-Cargo-Büro passiert bis 10.15 wieder nichts. Ich will die Koffer im Flugzeug mitnehmen, das Geld ist mir egal. Ich will noch etwas Urlaub in der tollen Stadt machen. Aber Günter will es durchziehen, er hat Angst, dass das ganze Theater dann am Gepäckzoll von vorne los geht. Es gibt einen Anruf für Günter, die Koffer können doch weg. Der Mann vom Zoll und Günter bringen sie weg. Ich warte mal wieder. Man ordert Tee für mich. Das Wegschicken der Koffer kostet wieder 165 LE, aber wir bekommen dies und die Bankbürgschaft wieder. Der Tag heute geht mal wieder in der Cargo-Hallo drauf. Ich habe nichts mehr zu lesen. Wie konnte ich auch ahnen, dass ich im Urlaub soviel Zeit zum Lesen haben würde. Nach einer Stunde rumhängen ist wieder Büroschluss. Die Koffer sind durch den Zoll. Wir fahren zum Internationalen Flughafen zum Geldtauschen und weiter zum Hotel. Von dort geht es mit der Straßenbahn in die Stadt. Ich muss mal wieder was anderes sehen als Cargo und Hühnchenbraterei. Die Straßenbahn kosten 25 Piaster pro Person und ist ein Erlebnis. Trotz drangvoller Enge wird mir sofort ein Sitzplatz angeboten, den ich unbedingt annehmen muss. Ständig verliert die S-Bahn den Kontakt zur Stromleitung, wird dadurch abrupt abgebremst und fährt genauso abrupt wieder los, wenn der Kontakt wieder da ist. Nach einer Stunde Rüttelfahrt erreichen wir den Tahrir-Platz. Wir gehen zum Hotel Ramses Hilton, ein Pikfeiner Laden und wir mit den Klamotten von 4 ½ Wochen Motorradurlaub. Um 18.30 Uhr und 21.30 Uhr gibt es dort eine Folklore Vorstellung mit Dinner für 54 LE pro Person. Wir entscheiden uns für den frühen Termin. Der Saal ist leer und es gesellen sich nur noch ein paar wenige Gäste dazu. Eine 4-köpfige orientalische Band spielt Einschlafmusik während die Vorspeisen serviert werden. Es gibt verschiedene typisch ägyptische Speisen. Wir sind eigentlich nach der Vorspeise schon satt. Dann gibt es noch die Hauptspeise und viel zu süßen Nachtisch. Wir platzen fast. Jetzt wechselt die Combo und die Musik wird laut und lebhaft. Eine Bauchtänzerin tritt auf und schnappt sich nach einer Weile Günter zum mittanzen. Danach kommt eine Folklore-Gruppe, die ein Theater-Stück aufführt. Auch hier wird Günter wieder geholt und muss mitspielen. Er erhält ein paar Papyrus-Bilder als kleines Dankeschön. Der Derwisch-Tänzer fasziniert uns alle, wie er sich 15 Minuten lang auf einem Fuß um die eigene Achse dreht und plötzlich stehen bleiben kann. Es war ein schöner Abend und es geht zurück ins Hotel.

35.Tag
Kairo
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Wieder zur Cargo-Halle. Der Stempel im Carnet soll erst nicht korrekt sein, dann aber doch. Es gibt vom Zoll ein vorläufiges Papier für die Bankbürgschaft und wir fahren zur Bank. Man findet erstaunlicherweise auch diesmal unsere Papiere wieder, aber das Papier vom Zoll ist nicht korrekt, man braucht ein anderes. Wenn das Original eintrifft, erhalten wir das Geld zurück. Im Zoll kann das Papier heute nicht mehr erstellt werden. Unsere Agenten wollen sich darum kümmern und unser Geld dann von der Bank überweisen lassen. Inschallah. Wir bezahlen unsere Agenten und verabschieden uns. Dann geht es noch mal in die Stadt zum Khan al Khalili. Wir schlendern durch die Souks, trinken im Fischawi Tee und geben unser letztes Geld für Parfüm, Flakons und eine Musik-Kassette mit arabischer Musik aus. Als wir zurück zum Hotel fahren, rufen von jeder Moschee die Muezzins zum Gebet. Der Taxifahrer hat schöne arabische Musik an. Wir verlassen wehmütig die Stadt, die uns so sehr in den Bann gezogen hat. Wir werden wieder kommen. Ein letztes mal essen wir in unserer Braterei und verabschieden uns auch hier, wir waren liebgewonnene Gäste geworden. Und auch unser Stella-Bier in der Bar darf nicht fehlen. Wir packen unsere Koffer.

36.Tag
Kairo - Frankfurt
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Frühstück und auch hier verabschieden wir uns von dem Nubier, für den wir noch ein Trinkgeld zurückbehalten haben. An der Rezeption gibt es ebenfalls viele Menschen zu verabschieden. „Unser“ geschwätziger Taxifahrer wartet vor der Tür und fährt uns zum Flughafen.

Unser Motorrad haben wir 2 Tage später problemlos mit allen Sachen am Zoll im Frankfurter Flughafen abgeholt.