Jemen, auch Arabia felix genannt, besteht aus Nord- und Süd-Jemen.

Im Nord-Jemen, das aus vielen einzelnen Stämmen besteht, wurde 1944 der Bund Freier Jeminiten gegründet, der das Ziel eines modernen, weltoffenen Nord-Jemen hatte. Nach dem Militärputsch im Jahre 1962 und dem darauffolgenden 7-jährigen Bürgerkrieg zwischen den Royalisten (unterstützt durch Saudi-Arabien) und den Republikanern (unterstützt durch Ägypten) tagte das erste Parlament 1969 mit dem ersten republikanischen Präsident Al Irjani. Nach erneutem Militärputsch im Jahre 1974 und Machtwechsel durch Ermordung der jeweiligen Amtierenden wurde Ali Abdallah Salach 1978 durch den Volksrat ernannt, 1988 durch die ersten Parlamentswahlen wieder gewählt und schließlich nach der Vereinigung mit Süd-Jemen im Jahre 1990 Präsident von ganz Jemen. Sanaa wurde die Hauptstadt für Gesamt-Jemen.
Süd-Jemen wurde 1839 durch die britische Truppen besetzt, da Aden an strategisch wichtigem Punkt der Schiffahrtsstraße von Europa nach Indien lag. Der erste Aufstand gegen die Briten fand 1963 durch den Angriff auf den Militärflugplatz Habiläin statt. 1967 wurde die Volksrepublik Jemen durch die NLF gegründet. Nach dem Sturz des ersten Präsidenden Qahran ash Shaabi im Jahre 1969 wurde Salim Rubai Ali neuer Präsident. Die Republik wurde sozialistisch und verstaatlichte alle Großbetriebe und Banken. 1978 fanden Wahlen zum Obersten Volksrat statt, an denen auch Frauen uneingeschränkt teilnehmen konnten. Durch den politischen Wandel im Ostblock verlor Süd-Jemen die finanzielle Unterstützung durch die sozialistischen Länder. Der drohende Staatsbankrott war die Triebfeder zu Vereinigung mit Nord-Jemen.
Seit der Vereinigung ist es möglich, Nord- und Süd-Jemen umfassen zu bereisen. Der Süd-Westen bis hoch nach Sanaa kann ohne Probleme alleine bereist werden. In die Stammesgebiete von Nord- und Ost-Jemen sollte man sich einem erfahrenen Führer anvertrauen. Jemen ist zwar offiziell ein Staat, aber der Nord-Osten mit seinen zahlreichen Stämmen hat seine eigenen Gesetzte und Verhaltensanforderungen. Einiges über die Verhaltensregeln ergibt sich in dem nachfolgenden Reisebericht.
Trotz etlicher Spuren der Neuzeit fühlt man sich bei einer Reise durch Jemen wie 1000 Jahre zurückversetzt. Die Jemeniten mit ihren Kat-Bäckchen und stets mit Krummdolch und Kalaschnikow bewaffnet, sehen oftmals furchterregend aus. Sie sind aber ein äußerst warmherziges und lustiges Völkchen. Der Kontakt zu Frauen ist als Mann so gut wie gar nicht möglich. Total verschleiert huschen die Frauen wie scheue Rehe durch die Gassen. Der Umstand, dass es in Jemen keine öffentlichen Toiletten gibt und meine Blase keine lange Wartezeiten duldet, hat mich gezwungen, Wohnhaüser aufzusuchen. Dort kam es zu kurzen Kontakten mit den wunderschönen Frauen, die sich mir unverschleiert zeigten. Kurze Einblicke ins Haus und Familie sowie gegenseitige Information über den Familienstand (nur in arabischer Sprache möglich) haben sich für mich dadurch ergeben. Viel Zeit blieb nicht, da die Reisegruppe wartete.

Reiseverlauf:
Wir haben eine 22-tägige Jemen-Expedition mit kombinierten Hotel-, Funduk- und Zeltübernachtungen mit dem Reiseveranstalter Ikarus gemacht. Manuel Struhalla, unser deutscher Reiseleiter, war ein erfahrener Arabien-Kenner und konnte uns abends mit vielen Anekdoten und Geschichten aus Arabien erfreuen.
Wir waren 9 Reiseteilnehmer (5 Frauen, 4 Männer), Manuel, Aziz, der jemenitische Reiseleiter (deutschsprechend , Maurerlehre in Deutschland), sowie 3 Fahrer (Abdullah, Shami, Ahmed ) für die 3 Jeeps.

1. Tag:
Ankunft abends in Sanaa (2200m) und Fahrt ins Hotel.

2. Tag:
Markttag in Rauwda ca. 20 km nördlich von Sanaa. Nachmittags Besuch der Altstadt von Sanaa mit seinen Gärten, wunderschönen Lehmhäusern und Souk.

3. Tag:
Fahrt in die Bergwelt von Kaukabam (2720m), nordwestlich von Sanaa gelegen, über At-Tawila (2600 m) ein Felsennest, das am Burgberg klebt. Der dortige Souk wurde für die Jemen-Ausstellung im Völkerkundemuseum in München nachgebaut.
Wanderung in der Bergwelt von Kaukabam, Thulla (2630m), Shibam (2450 m). Kaukabam mit seinen mächtigen Wohnburgen wurde im Bürgerkrieg 1962/69 stark zerstört. Wanderung durch das Stadttor von Kaukabam hinunter durch den Steinstufenweg nach Shibam. Hier gibt es Reste der Wehranlage, Stadttore und ebenfallls Wohnburgen. Thulla's geschlossenes mittelalterliches Stadtbild mit einer intakten Stadtmauer mit drei guterhaltenen Toren ist eines der schönsten Städte Jemens.
Übernachtung in einem Funduk (einfache Herberge, je ein Schlafraum für die Frauen und Männer) in Kaukabam.

4. Tag:
Fahrt nach Shihaara, nördlich von Sanaa, über Huth (Mittagessen). Hinter Huth lassen wir unsere Jeeps mit dem Gepäck und 2 von unseren Fahrern zurück und steigen mit Schlafsack und Tagesrucksack in 2 Jeeps des dortigen "regierenden" Stammesfürsten um. Sich nicht unter Schutz dieses Stammes zu stellen, kann fatale Folgen haben. Touristen, die mit ihrem jeminitische Fahrer selbständig in das Bergdorf fahren wollten, wurden beschossen.
Die ganze Zeit auf dem Jeep stehend über äußerst schwierige Pisten ging es den Berg hinauf nach Shihaara auf 2450m. Wanderung zu der nahegelegenen Fußbrücke aus dem 16.Jahrhundert. Übernachtung in einem Privathaus, ebenfalls wieder 2 Zimmer, Frauen und Männer getrennt.

5. Tag:
Rückfahrt zu unseren Jeeps und wieder über Huth (Mittagessen) nach Saada.(1800m ), unserem nördlichstes Ziel .Das hübsche Städtchen ist mit einer Stadtmauer aus dem 16. Jahrhundert mit vielen Stadttoren umgeben. Seine Häuser sehen wie Lebkuchenhäuser mit Zuckerguss aus. Hotelübernachtung.

6. Tag:
Rückfahrt nach Sanaa, wieder über Huth (Mittagessen), vorbei an typischen Bergdörfern mit Wohnburgen. Unfreiwillige Zwischenstation im Krankenhaus, da der dicke Zeh eines Reisteilnehmers unter einen Reifen eines Jeeps gekommen war. Besichtigung des überwältigenden Felsentempels im Wadi Darr. Weiterfahrt nach Sanaa und Hotelübernachtung.

7. Tag:
Fahrt westlich von Sanaa ins Harraz-Gebirge nach Menaacha (2250 m). Sehenswert sind das Soukgelände und das osmanische Fort. Ausflug nach Hotäb (2450 m) zu dem Wallfahrtsort der ismailitischen Bohras. Ein Fußweg führt hinauf auf den Berg zu der weißen Moschee, von dort hat man einen herrlichen Blick über das Harraz-Gebirge. Übernachtung im einfachen Funduk in Menaacha in 2 Zimmern.

8. Tag:
Abstecher zum Felsennest Al Hajjara. Die Häuser sind so dicht gebaut ,dass dieAußenmauern eine Wehrmauer bilden. Stadtbummel durch die engen Gassen. Übernachtung im einfachen Funduk in Menaacha in 2 Zimmern.

9. Tag:
Fahrt hinab über Hudeida ans Rote Meer. Von dort weiter durch die Tihama-Wüste über den Markt von Bait al Faqih und Zabied. In der Tihama leben die Nachfahren von Völkern aus Zentralasien. Die Dörfer bestehen aus Rundhütten, die zu einem Art Kral zusammengefasst sind. Hier sind die Frauen unverschleiert und das Leben auf dem Lande ähnelt dem des afrikanischen Kontinents. Die Orte Bait al Faqih und Zabied sind kulturelles Zentrum der Tihama. In Zabied sind das Fort und die vier Stadttore erhalten. Lohnenswert sind die Besuche der Wochenmärkte, die in Bait al Faqih freitags und in Zabid sonntags stattfinden.
Weiter gehtís nach Al-Hauha ans Rote Meer. Übernachtung in Strohhütten.

10. Tag:
Die Fahrt geht am Roten Meer entlang nach Mocha. Mocha war wichtiger Umschlagsplatz für den Ostindienhandel und im 17. und 18. Jahrhundert die Hafenstadt, in der Kaffee nach Europa und Indien verschifft wurde. Von Mocha ist heute nur noch die Al Schadhile-Moschee übrig. Weiter geht die Fahrt nach Taiz (1350 m). Fahrt auf den Jabal Sabir mit Blick auf Taiz. Übernachtung in einem einfachen Hotel.

11. Tag:
Stadtbummel durch die Altstadt mit guterhaltenen Teilen der Stadtmauer, Festung und Stadttore. Besichtigung der Muttabija-Moschee und Bummel durch den Souk. Weiterfahrt nach Ibb und Übernachtung in einem einfachen Hotel (3 Zimmer) Richtung Dschibbla.

12. Tag:
Ausflug zu den heißen Quellen von Al Udayn und Wanderung vom Berg hinunter nach Dschibbla. Über die alte Steinbrücke erreicht man die Stadt. Markantestes Bauwerk der Stadt ist der Kuppelbau der Arwa bint Ahmed Moschee, erbaut von der Königin Arwa bint Ahmed. Weiterfahrt nach Ibb. Von dort geht die Fahrt weiter nach Rauwda und Übernachtung im einfachen Hotel.

13. Tag:
Von Rauwda geht es nach Mukaäiras (2100m) zum Ruinengelände von Am Adiya. Mit seinen vorislamischen Inschriften wird Am Adiya als wichtigste Stadt des Königreichs Aussan angesehen. Zeltübernachtung.in der Nähe von As Surrah.

14. Tag:
Fahrt nach Biír Ali, das am Golf von Aden liegt. Schwimmen im Meer und Zeltübernachtung am Fuße der Rabenfestung (Husn al Ghurab).

15. Tag:
Von Biír Ali geht es an der Küste entlang nach Mukalla. Stadtbummel durch die Alstadt, während die Fahrer Vorräte und Benzin auffüllen. Weiter gehtís an der alten Zollstation vorbei ins Landesinnere auf den Dschol. Mit 15% Steigung schraubt sich die Srtraße bis zum höchsten Pass des Dschol auf 1520m. Zeltübernachtung.

16. Tag:
Von der Hochebene des Dschol geht es wieder hinunter ins Wadi Doan mit Ausblicken auf die prächtigen Häuser und Paläste. Bummel durch das am steilen Fels gelegenen Hadscharäin. Weiter gehtís ins Wadi Hadramaut nach dem "Manhatten der Wüste": Shibam. Besteigung des Berges gegenüber, um einen Blick auf die Stadt von oben zu erhaschen. Dann gehtís zum Stadtbummel hinein in die schmalen Gassen zwischen den Lehmhochhäusern. Übernachtung in Seyun im "Baracken-Hotel".

17. Tag:
Besichtigung von Seyun: Markt, Sultanpalast und Altstadt. Weiterfahrt ins Wadi Hadramaut nach Tarim zum Grab des Propheten Gabr Hud. Übernachtung in Seyun im "Baracken-Hotel"

18. Tag:
Weiterfahrt zurück durch Wadi Hadramaut in die Sandwüste Ramlat as Sabatein. Unter Begleitung und Schutz von Abdul Karim, Sohn eines mächtigen Stammesfürsten, durchqueren wir 3 Tage und 2 Nächte die Rubb al Khali. Die Fahrt geht langsam voran, da nicht jede Düne im ersten Anlauf erklommen werden kann. Zeltübernachtung in der Wüste

19. Tag:
Weiter geht es durch "das leere Viertel" wie Rubb al Khali übersetzt heißt, durch einmalige Wüstenlandschaft. Fahrer und Jeeps, aber auch unsere Lendenwirbelsäule werden aufs äußerste strapaziert. So sind am Abend im Zeltlager in der Wüste Reparaturen notwendig, u.a. muß die Motoraufaufhängung eines Jeeps repariert werden. Abdul Karim fährt im Dunklen los, um Steine zum Aufbocken des Jeeps zu holen und findet tatsächlich durch die Dünenlandschaft zum Zeltlager zurück.

20. Tag:
Am 3. Tag der Wüstenfahrt kommen wir in Marib an und Abdul Karim verläßt uns wieder. Besuch der Ausgrabungsstätten von Bilgis Hotelübernachtung in Marib

21. Tag:
Besuch des Alten und des neuen Staudamms und Besuch der Ruinenstadt von Baraagisch unter dem Schutz des Militärs (Mitfahrt eines Soldaten) und Zahlung von Wegezoll ans Militär. Hotelübernachtung in Marib

22. Tag:
Rückfahrt nach Sanaa und Stadtbummel in der Altstadt. Abends Abflug nach Frankfurt.