Kirgisien:

Die Hauptstadt von Kirgisien ist Bishkek (ehem. Frunze) mit 800.000 Einwohnern. Kirgistan umfasst 198.500 km², was etwa der Größe Österreichs und Ungarns zusammen entspricht. Kirgisien hat 4,92 Mio Einwohner.
Der See Yssyk-Köl (170 km lang, 70 km breit, 695 m tief und 1600 m hoch gelegen) ist nach dem Titicaca-See (Südamerika) der zweitgröste alpine See der Welt. Er wird ringsum umschlossen von 4-5000m hohen Bergen. Da er leicht salzig ist und da thermische Quellen hineinfliesen, friert er im Winter nicht zu und man kann im Sommer bei ca. 18 Grad C in seinem glasklaren Wasser baden.
Ein weiterer großer See ist der Song-Köl auf 3539 m gelegen, an dessen Ufer die Nomaden im Sommer in den Yurten leben. Im Herbst treiben sie ihr Vieh (Kühe, Schafe, Pferde, Yaks) in die Täler zurück.
Kirgistan besteht vor allem aus den Gebirgszügen Tian Shan, im Südwesten, mit dem höchsten Berg Kirgisiens, dem Pik Pobedy (7439 m), dem Fergana-Gebirge in der Mitte, dem Pamir Alay im Südwesten und dem Kyrgyz Ala Too Gebirge im Nordwesten. 40 % der Fläche Kirgisiens liegt über 3000 m.
Weitere Attraktionen sind Tash Rabat, die legendäre Karawanserei der alten Seidenstraße und der Tourugart-Pass (4282m), den Grenzübergang nach China.


China (Region Xinjiang):

Diese autonome Region liegt im äußersten Westen Chinas und umfasst 1.600.000 km², hat ca. 16,0 Mio Einwohnern, davon 42 % Uyghuren, 40-50 % Han-Chinesen (diese wurden dort angesiedelt und ihnen wurden alle wichtigen politischen und sozialen Posten zugewiesen), 6,5 % Kasachen und 1 % Kirgiesen. Provinzhauptstadt ist Ürümqi.
Die wohl bekannteste Stadt ist Kashgar mit 180.000 Einwohnern. Diese Stadt war eine der großen Handelsstädte der alten Seidenstraße, die auch heute noch mit seinem Sonntagsmarkt (50-70.000 Menschen, unzählige Schafe, Kühe, Esel und wenige Kamele) und den Bazarvierteln in der Stadt an frühere Zeiten erinnert. Die Abschirmung durch die große Taklimakan-Wüste ließ die Kultur-Revolution weitgehends an Kashgar vorbeiziehen und durch die muslimische Bevölkerung wurde der orientalischen Charakter erhalten. Sehenswert ist, neben dem Sonntagsmarkt, die Id Kah Moschee, die alte Stadt mit den uighurischen Bazar-Läden und etwas außerhalb das muslimische Abakh Hoja Mausoleum.
In Kashgar beginnt der Karakorum Highway (KKH), der nach ca. 500 km am Muztag Ata (7546 m) vorbei führt und am Kunjerab Pass (4700 m) die pakistanische Grenze erreicht. Der Grenzübergang ist erst seit 1982 wiedereröffnet worden und für Touristen seit 1986 offen.


Pakistan:

Pakistan hat ca. 83,79 Mio Einwohner, die Hauptstadt ist Islamabad mit ca. 350.000 Einwohnern. Mit 803.943 km² ist Pakistan doppelt so groß wie die BRD.
Pakistans Bevölkerung besteht aus zahlreichen ethnischen Gruppen mit verschiedenen Sprachen: 66,4 % sprechen Punjabi, 12,6 % Sindhi, 8,5 % Pastho, 7,6 % Urdu und 2,5 % Belutschi. In der Hunza und Gilgit-Region werden persisch beeinflusste Sprachen gesprochen und in Kohistan gibt es eine Mixtur aus Shina, Pashto und Urdu.
Vom Kunjerab-Pass (4700 m) schlängelt sich der KKH in atemberaubenden Kehren am Hunza-Fluss entlang, durch Hunza-Tal bis Gilgit. Immer wieder gibt es Ausblicke auf schneebedeckte 7.000 bis 8.000 m hohen Berge, wie den Nanga Parbat, Rakaposchi, Haramosch, Disteghil Sar. In Jaglot trifft der Hunza-Fluss auf den Indus, der sich aus den Deosai-Plains durch die längste Schlucht hierher gewälzt hat. Mit Glück kann man auf den Deosai-Plains eine Blick auf den K2 (8611m) und den Nanga Parbat (8126 m) erhaschen. Der KKH schlängelt sich nun weiter am Indus entlang, wobei die Gebirge zusehends flacher werden, bis Islamabad.


Reiseverlauf:

Unsere Motorradreise durch die Länder Kirgsitan, China und Pakistan begann damit, dass 6 Wochen vor Reisebeginn die Motorräder verpackt und mit der transsibirischen Eisenbahn nach Kasachstan und von dort nach Bishkek in Kirgistan verfrachtet wurden.

1. Tag:
Anreise mit Britisch Airways von Frankfurt über London nach Alma Ata (Kasachstan). Anschließend 4 Stunden Busfahrt nach Bishkek (Kirgistan) ins Gilgit Hotel. Es gab keine Probleme beim Grenzübertritt.
Das Gilgit Hotel ist ein mittelmäßiges Hotel mit sozialistischem Charme aus den ehemaligen sowjetischen Zeiten.

2. Tag:

Nach nur drei Stunden Schlaf zur Zollstation. Gespanntes Warten, bevor der Container geöffnet werden kann, alle Motorräder sind vorhanden und im guten Zustand, auch wenn ein Motorrad in der Kiste umgefallen ist. Jetzt beginnt das Zerschlagen der Kisten und das Anbringen des Vorderrades sowie Richten der Spiegel, und anderer Kleinteile. Nach Erledigung aller Zollformalitäten (erstaunlich schnell und problemlos) wird der Begleit-LKW mit dem Gepäck und den Bodenpaletten beladen.
Mittagessen in Bishkek, auftanken der Motorräder und der Reservetanks des Begleit-LKW´s.
Jetzt geht´s Richtung Westen auf der A365 (Teerstrasse) bis ca. 15 km hinter Kemin. Von dort auf die Schotterpiste am Fluss Chong Kemin entlang, der herrlich in einer Schlucht liegt. Die Fahrt endet nach ca. 200 km.
Die letzten Kilometer der Strecke werden bei Dunkelheit zurück gelegt, was bedeutet, dass die Wahl des Lagerplatzes (in 2000 m Höhe) und das Aufbauen der Zelte ebenfalls in der Dunkelheit stattfindet.

3. Tag:

Weiterfahrt an der Schlucht des Flusses entlang. Mehrere kleinere und größere Flussdurchquerungen, wobei letztere einigen Reiseteilnehmern Probleme bereiten. Reiner und Ulli fahren an einer besonders tiefen Flussduchfahrt mehrere Motorräder durch die Fuhrt. Nasse Füße bleiben hier nicht aus.
Der Aku Stu Pass ist wegen Bauarbeiten gesperrt, deshalb geht es auf eine neue Pass-Straße mit frischem Schotter, die über die Gebirgskette Kunggoy Ala-Too zum See Yssyk-Köl führt. Herrliche Blicke ins Tal und auf schnee- bzw. gletscherbedeckte Berge. Ab 3500 m Höhe werden die Kehren steiler und der Schotter gröber, die dünne Luft für Mensch und Maschine machen teils Probleme. Die Passhöhe ist auf 3870 m erreicht, die nassen Füße, die wir uns bei den Flussdurchfahrten geholt haben, sind noch nicht trocken und jetzt etwas kalt.
Die Straße windet sich in langen Kehren zum Yssyk-Köl See hinunter. Mit dunklen Regenwolken im Rücken geht´s abwärts. Nach insgesamt 118 km, vom letzten Nachtlager entfernt, erreichen wir die Nordseite des Ysyk-Köl Sees.
Tanken und Mittagessen (Lakma, eine Gemüsesuppe mit Lammfleisch) in Baetovka. Weiterfahrt auf der Teerstrasse (150 km) bis Karakol, wieder tanken und Weiterfahrt. Ca. 20 Kilometern hinter Karakol befindet sich Abzweigung in den Yeti-Öguz Canyon. Da es über dem Ziel sehr nach Regen aussieht, warten wir mit Thorsten in einem Häuschen an einer Busshaltestelle, bis sich dort die dunklen Wolken verzogen haben.
Kein LKW und keiner von den anderen ist in der Zwischenzeit gekommen. Dann machen wir uns auf den Weg, damit wir vor der Dunkelheit Yeti-Öguz erreichen. Unterwegs holen uns Reiner und Uli ein und wir erreichen im Dunkeln um ca. 19.00 Uhr das Lager der Fahrradfahrer. Reiner fährt zurück nach Karakol, um den Rest der Motorradfahrer abzuholen, die dort gewartet haben.
Der Begleit-LKW trifft erst um 21.30 Uhr ein, bis dahin werden wir von der Crew der Fahrradfahrer und Reiter notversorgt. Unser Zeltplatz liegt ca. 25 km vor dem eigentlichen Lager am Fluss, da die Holzbrücke eingestürzt ist und für die LKW´s nicht passierbar ist.

4. Tag:

Beim Aufstehen reiben sich alle ungläubig die Augen. Ein Kamerateam des kirgisischen Tourismusministeriums steht mitten in unserem Camp und filmt einfach alles was man nur filmen kann.
Die Gruppe teilt sich auf. Wir fahren mit dem Motorrad zum ursprünglichen Camp über verschiedene mehr oder weniger eingestürzte Holzbrücken und besuchen ein Yurten-Camp. Danach wieder zurück nach Karakol, Besichtigung der Heiligen Kirche, des Marktes und im Internet-Café im großen Einkaufszentrum kann man für 1 US$ eine e-Mail nach Hause senden.
Es geht am See entlang Richtung Westen, durch die typischen Dörfer mit den Pfefferkuchenhäusern, die langgestreckt an der Straße liegen. Nach ca. 100 km schlechter Teerstraße erreichen wir das alte verlassene russische Hotel direkt am Yssyk-Köl See, dessen Außengelände uns als Lagerplatz dient.
Die meisten sind schon da und schrauben an den Motorrädern. Zeltaufbau und ab in den See. Der See mit ca. 18 Grad C und die 35 Grad C Außentemperatur laden zum Baden ein. Über grobe Kieselsteine gelangt man ins glasklare Wasser. Ein Wasserrohr im Hotel-Garten dient als willkommene Dusche.

5. Tag:

Der Tagesausflug Richtung Bökönbaev geht erst in ein wunderschönes Tal mit Schlammschlacht einiger Motorräder. Unscheinbar aussehende Pfützen entpuppen sich als scheinbar bodenblose Schlammlöcher.
Ein Tracktor versperrt den Weg. Beim Versuch, den Trecker oben zu umfahren, statt wie alle anderen untenherum, stürzt Yves und erleidet dabei Rippenbrüche.
Nach einer kleinen Irrfahrt und Beratschlagung mit einheimischen Bauern finden wir einen Weg hinauf auf den Pass mit 3300 m Höhe. Immer wieder treffen wir auf Kirgisen, die mit dem Pferd angeritten kommen. Begrüßung und kurze „Gespräche“ mit Händen und Füßen. Baggers Digitalkamera, die das Foto den Menschen direkt zeigt, trägt stets zur großen Freude und Verwunderung bei.
In Bökönbaev finden wir uns zum Mittagessen ein, wo wir in dem kleinen Dorfladen die Küche und den Krämerladen leeressen.
Zurück am See werden erste Reparaturen fällig: An Yves Motorrad werden Koffer und Kofferträger gerichtet, an unser BMW ist der Kofferträger durchvibriert und wir lassen ihn im Ort in einer kleinen Hinterhof-Werkstatt schweißen. Schwimmen, duschen und relaxen. Die Fahrradfahrer treffen abends auch hier ein.

6. Tag:

Abfahrt nach Balykchy (Teerstraße). Andreas hat Probleme mit dem Darm, Ulli’s Motorrad zieht keinen Hering mehr vom Teller. Tanken und ein kleiner Snack (Kekse und Cola) in Balykchy. Andreas gibt sein Motorrad an Edelgard (eigentlich Sozia) ab.
Weiterfahrt auf Teerstraße über Kochkor bis Sary Bulak. Mittagessen: Lakma und Cola/Limo/Tee. Kurz hinter dem Ort ist die Abzweigung zum Son Köl See ausgeschildert. Über einen kleinen Pass (Schotterstraße) geht es in ein weites Tal. Ulli ist bei Nomaden zu vergorener Stutenmilch und frischem Brot eingeladen und winkt uns ebenfalls heran. Die Stutenmilch, die 4-8% Alkohol enthält, ist sehr gewöhnungsbedürftig, so empfinden wir es zumindest.
Die Schotterstraße windet sich zum Pass auf 3400m Höhe hinauf, wo gerade eine Yak-Herde in die Berge zieht. Schöner Blick auf die Ebene des Son-Köl Sees. Die Piste geht süd-östlich um den See herum. Günter fährt im Fluss gegen einen Stein und reißt sich den rechten Koffer ab. Bei der nächsten Flussdurchfahrt schlagen die Wellen bis zum Helm, weil unüberlegt durch die tiefste Kuhle mit hoher Geschwindigkeit gerast wurde. Nebenan gab es eine seichte Durchfahrt.
Da der Koffer nur notdürftig am Träger befestigt wurde, fliegt er bei nächster Gelegenheit durch die Gegend. Jetzt ist er erst recht demoliert. Bagger spendiert einen Spanngurt, der den Koffer zumindest bis zum Zeltplatz festhält.
Insgesamt 350 km Fahrtstrecke. Der Zeltplatz liegt auf 3000 m Höhe. Der See ist zwar in nächster Nähe, aber das Ufer ist zu morastig, um ans Wasser zu gelangen - keine Chance für eine Katzenwäsche.

7. Tag:

Nachts gibt es Schneeregen und Frost. Die umliegenden Berge haben Schneehauben bekommen. Graupelschauer am frühen Morgen lassen uns in der Yurte frühstücken und abwarten. Nach einiger Zeit klart es auf und wir fahren zurück um den See bis auf den Pass, um die Yak-Herde zu suchen. Sie ist verschwunden. Wir drehen um und fahren zurück und entdecken eine weitere Herde weit entfernt von der Straße. Gut dass wir eine Enduro haben - Smalltalk mit Händen und Füßen mit dem Hirten.
Zurück zum Zeltplatz, Mittagessen, Lageplan und Frust-Besprechung wegen der Unzulänglichkeiten der Tour-Planung (Siehe Tipps).
Claus verfehlt auf der Rückfahrt von seinem Tagesausflug, trotz GPS, nachts das Camp und fährt glatt daran vorbei. Ein platter Reifen (er hat kein Flickzeug dabei) beschert ihm und seiner Sozia Irmgard einen 15-20 km langen Marsch durch die frostige Nacht.

8. Tag:

Claus schnappt sich entgegen der Vereinbarung den LKW zum Motorrad-Flicken. Dadurch verliert der LKW 1½ Stunden Zeit. Dies hat zur Folge, dass der LKW zu spät abends ankommt und wir wieder in der Dunkelheit das Nachtlager suchen und aufschlagen müssen.
Die Fahrt geht zunächst zurück am See entlang. Kurz bevor die Brücke den Song Köl Fluss überquert, geht es Richtung Süden über eine Schotterpiste am Fluss entlang hinauf auf den Pass (3800m). Von hier oben hat man einen herrlichen Ausblick ins Gebirge und auf die Serpentinen, die bergab auf uns warten.
Ca. 40 km vor Naryn mündet die Piste auf die Teerstraße. In Naryn machen wir Pause mit Cola/Lima/Tee und Schokoriegel im engl. Guesthouse. Weiterfahrt Richtung Westen auf der Schotterstraße durch langweilige Arbeitersiedlungen. Erst ab dem Pass, wo die beiden Flüsse Naryn und Kichi Naryn zusammentreffen, schlängelt sich die Straße am Fluss entlang in herrlicher Landschaft bis Ouruk Tam. Dort Zeitvertreib mit den Kirgisen bis der LKW kurz vor Sonnenuntergang eintrifft. Weiterfahrt zum Lagerplatz hoch über dem Fluss, sodass es keine Möglichkeit zum Waschen gibt.
Zu allem Überfluss hat die Crew beim Füllen der Benzintanks dieses hier besonders übelriechende Benzin (scheint nicht entschwefelt zu sein) über unsere Taschen geschüttet. Der Gestank in allen unseren Klamotten und im Zelt veranlassen Margarete zu einem cholerischen Ausbruch gegenüber der Crew. Gott sei Dank sind Zelt, Schlafsäcke und Iso-Matte relativ geruchsicher im Ortlieb-Sack verpackt gewesen, so dass nach entfernen der übrigen Sachen aus dem Zelt ins Freie unter Baggers Plane der Gestank auszuhalten ist.

9. Tag:

Sachen noch mal lüften und wieder verpacken. Weiter geht es noch ein Stück Richtung Osten, wo wir fast an die Straße stoßen, die wir vom Yssyk-Köl See aus bei der Rundtour am 5.Tag gefahren sind. Dann geht es Richtung Westen durch ein Tal wieder hinauf auf 3050 m. Dann verlassen wir die in der Karte gelb eingezeichnete Straße und fahren Richtung Südwesten über einen Pass von 3200 m, vorbei an einem Felsen, an dem Gänsegeier sich aufhalten, die allerdings heute Ausgang hatten. Hier kurze Verschnaufpause mit Keksen und Schokolade. Am Dolon-Pass erreichen wir die Teerstraße nach Naryn wieder. Ca. 20 km westlich von Naryn geht es zu einem alten russischen Militärhotel. Endlich gibt es Duschen.
Yves und Claus fahren ins Krankenhaus und lassen sich röntgen. Mit einer mehrjährigen Jahresdosis an Röntgenstrahlen werden auf schlechten Bildern bei Yves 2 Rippenbrüche und 2 angeknackste Rippen erkannt.
Das Abendessen mit reichlich kirgisischem Cognac auf Kosten des Reiseleiters lassen vorerst die ständigen Unzulänglichkeiten der Reise vergessen.

10. Tag:

Fahrt nach Naryn, tanken und weiter nach Süden bis At Bashi (40 km ), von dort 41 km bis zur „Landebahn“ (die Straße ist hier geteert und verbreitet, sodass Flugzeuge landen können). Ab hier 20 km schlechte Straße bis zur Abfahrt nach Tash Rabat. Es gibt sogar ein Hinweisschild. Die Fahrt geht durch ein landschaftlich schönes Tal bis auf 3015 m. Besuch der alten Karawanserei (Eintritt 10 Com pro Person).
Die hier lebenden Kirgisen, vor allem die Kinder bestaunen unsere Motorräder. Hat die eine Gruppe reihum auf dem Motorrad gesessen, kommen schon die nächsten. Und immer wieder Fotos. Hier lernen wir den Bauleiter der kirgisischen Yurte der Expo in Hannover kennen, der in Tash Rabat den Geburtstag seiner Tochter mit einem Picknick-Ausflug feiert.
Wir zelten auf der Wiese mit Blick auf die Karawanserei mit Waschgelegenheit im Bach.

11. Tag:

Abschied von einem Teil unserer kirgisischen Crew, die uns kleine Geschenke überreicht. 100 km schreckliche Piste bis zur kirgisischen Grenze. Wir sind die Attraktion am Zoll. Ein Zöllner lässt sich von Torsten über den Zollhof fahren. Wir warten auf den Truck und Michael, der einen Platten hat, einen Schlauch von Torsten erhält (er selbst hat keinen dabei) und diesen beim Einbauen kaputt macht. Das Flicken des Schlauches findet dann während des Wartens auf dem Zollgelände statt.
Die Fahrer mit den Motorräder müssen durch den Auto-Zoll, die Beifahrer durchs Gebäude, wo man sie hin und her schickt. Die Grenzformalitäten sind zügig erledigt. Weiterfahrt durchs Niemandsland und nach ca. 93 km hinter Tash Rabat erreichen wir den Torbogen an der chinesischen/kirgisischen Grenze. Frau Liu erwartet uns und zu aller Erstaunen hat sie den chinesischen Führerschein, die Zulassung fürs Motorrad und die Kennzeichen schon vorliegen. Wir brauchen nur noch die Kennzeichen zu befestigen.
Unser Gepäck und die mitgeschleppten Paletten für das Verpacken der Motorräder werden jetzt auf den chinesischen (offenen und etwas überdimensionierten) LKW aufgeladen. Im Konvoi geht es hinter der chinesischen Eskorte zum Militärkontrollposten. Die Tankrucksäcke und Koffer werden überprüft, wir müssen durch eine Metall-Detektor-Schleuse.
Weiter geht es ca. 20 km auf der staubigsten Wellblechstrecke, die wir je erlebt haben, zum „idyllischen“ Picknick-Platz direkt am Straßenrand. Es gibt Melone und Brot mit Staub von den vorbeifahrenden LKW’s.
Auf der Rüttelstrecke ist unser Koffer, von uns unbemerkt, mal wieder fliegen gegangen. Zum Glück wurde niemand von den fliegenden Teilen verletzt und Hamster und Reiner haben alles eingesammelt und mitgebracht. Ab jetzt kommt der Koffer zu den andern Gepäckstücken in den LKW.
Mittlerweile sind viele LKW’s am Picknick-Platz vorbeigefahren und so fahren wir auf den folgenden 60 km im Dunst hinter den LKW’s her oder Überholen ohne Sicht durch die Staubwolke.
Auf der Strecke sind noch beide hinteren Blinker abvibriert und das Federbein verliert jetzt Öl.
Alle sind froh, als die mörderische Strecke vorbei ist und die letzten 20 km bis zum Zoll geteert sind. Von dem schönen Tal am Fluss entlang hat wohl niemand etwas mitbekommen.
Am Zoll werden die Einreiseformulare ausgefüllt und wir erhalten die Stempel. Eine Zollbeamtin in Kostüm und Stöckelschuhe soll sich unser verstaubtes Gepäck anschauen. Dies wird wohl angesichts des Dreckes nur exemplarisch für einige Stücke gemacht. Aufjubeln aller Motorradfahrer, als wir durch das Gebäude durch sind: Wir sind mit den Motorrädern in China! Noch einmal 56 km bis Kashgar zum Quini Wag Hotel. Abendessen mit Bier im Hotel und anschließend Cognac trinken in John’s Café.

12. Tag:

Nach dem Frühstück geht es zum Stadtbummel durch die Bazarviertel. Hier fühlt man sich wie im Orient, die Bazarstraßen nach Sortiment geordnet, mit kleinen Läden und freundlich lächelnden Menschen. Die Id Kah Moschee kann auch von Nicht-Muslimen besichtigt werden. Weiter geht der Rundgang bis zum Platz mit der großen Mao-Statue. Ab hier lässt uns Frau Liu alleine rumlaufen. Wir gehen zum Bazar zurück und trinken in einem Teehaus, das im 1. Stock liegt, Tee und genießen die Aussicht.
Nach dem Mittagessen ist Moped-Pflege angesagt. Anschließend machen einige Siesta, die andern fahren zu John’s Café und wir fahren raus zum Abakh Hoja Mausoleum. Es sieht zwar nicht aus wie das Taj Mahal (wie im Reiseführer beschrieben), aber es ist eine schöne Anlage mit Gärten. Alleine die Fahrt raus aus der Stadt ins Landleben ist ein Erlebnis.
Zurück geht’s zu John’s Café, wo die anderen den Nachmittag verbracht haben. Uli und Reiner lassen ihre Motorräder waschen, ernten damit Gelächter und werden als Adventure-Hosen-Bügler bezeichnet. Beim Tanken drängelt sich ein Taxi-Fahrer (Han-Chinese) vor, den Margarete mittels cholerischem Anfall zusammenscheißt. Zumindest erreicht sie, dass die anderen Taxi-Fahrer sich nicht mehr vordrängeln.

13. Tag:

Fahrt mit dem Bus zum Sonntagsmarkt. Wir haben 2½ Stunden Zeit zum durchbummeln. Wir nehmen uns als erstes den Viehmarkt vor. Außer einem Kamel sind vor allem rasierte Fettschwanz-Schafe und Kühe vorhanden, sowie die zahlreichen Garküchen, die die Marktprodukte frisch verarbeitet auf den Tisch bringen.
Danach schlendern wir durch die riesigen Viertel mit Hüten, Eisenwaren, Stoffe, Kleider, Schmuck, Haushaltswaren usw. Im Eisenwaren-Bazar ergattern wir 3 chinesische Fahrradklingeln, ansonsten ist unsere Ausbeute mehr fotografischer Art.
Zurück zum Hotel , Mittagessen und Umladen des Gepäcks auf einen kleineren LKW. Danach geht es hinter der Eskorte raus aus Kashgar durch das Gewirr von Autos, Eselskarren und Vieh, die sich auf dem Rückweg vom Bazar befinden. Bei einem Überholmanöver fährt Yves als einziger rechts vorbei und landet im entgegenkommenden Eselskarren, der umkippt und gegen ein parkendes Auto fällt. Yves ist nichts weiter passiert und wir schieben die Schuld auf den Eseltreiber, der in falscher Fahrtrichtung unterwegs war und entfernen uns zügig.
30 km hinter Kashgar beginnt die atemberaubende Berglandschaft mit riesigen Sanddünen, vorbei am Kongu Shan(7719 m) und Muztak Ata (7546 m). Der KKH schlängelt sich hoch zum Karakol See bis auf 3740 m. Im Restaurant gibt es tolles Essen, während wir wieder einmal auf den LKW warten, der 20.40 Uhr im Dunklen ankommt. 3 Yurten stehen zur Übernachtung zur Verfügung, wir bauen unser Zelt auf.

14. Tag:

Der Reiseveranstalter Nils Hallenberg macht wieder Hektik mit dem Gepäck. Es soll um 9.00 Uhr auf dem LKW sein, obwohl die Abfahrt des LKW und der Reisegruppe erst mittags ist.
Die Fahrt geht über einen Pass von 3400 m Höhe. Wir haben ständig gute Sicht auf die 6000-7000 Meter hohen Schneeberge. Ankunft in Tash Kurgan. Es gibt Probleme beim Tanken, weil der Tankwart den Überblick verliert, wer schon bezahlt hat.
Fahrt zum einzigen Hotel am Ort, das Pamir, sehr dreckig, Bettwäsche wurde schon länger nicht mehr gewechselt.
Erneuter Tankversuch mit der lokalen Reiseleiterin Frau Liu. Es gibt nun eine Quittung, wobei das Benzin auf einmal billiger ist und unser Tankwart von vorhin sitzt im Büro zusammengekauert in der hintersten Ecke.
Essen im Hotel ist super. Anschließend sitzen wir bis 22.00 Uhr im Biergarten in 3040 m Höhe und genießen bei mitteleuropäischer Sommerabendtemperatur das letzte chinesische Bier. In Pakistan wird es keinen Alkohol geben.

15. Tag:

Reiner, Andreas und Günter sind krank.
Frau Liu hat eine frohe Nachricht: Jeder kann seinen chinesischen Führerschein und die Zulassung behalten, das Nummerschild kann für 15 US$ gekauft werden.
Die Fahrt geht zum Zoll in Tash Korgan, wo zunächst die Motornummer der Motorräder überprüft wird. Fahrt zum nächsten Gebäude, die Pässe werden zur Überprüfung eingesammelt. Wir warten ca. 2 Stunden, bis wir weiter zur Grenze fahren können.
Reiner geht es so dreckig, dass er mit dem Jeep mitfährt und das Motorrad an Achim gibt, der seins wiederum an Edelgard weiterreicht. Günter hängt ebenfalls durch, aber es gibt keinen weiteren Ersatzfahrer mehr.
Die Straße schlängelt sich zum Kunjerab-Pass hoch. Kurz vor dem Pass auf 4600 m Höhe erreichen wir den chinesischen Grenzposten. Die Zöllner vergessen angesichts der 11 Motorräder jede Vorschrift und jegliche Zurückhaltung. Immer wieder stellen sie sich vor die Motorräder oder setzen sich darauf und fotografieren sich selbst, und wir fotografieren natürlich auch. Es gibt kein Foto-Tabu mehr, selbst die sonst so geschützten Zollgebäude können fotografiert werden. Die Tankrucksäcke und Koffer werden nur noch oberflächlich untersucht.
Die richtige Gaudi geht allerdings erst los, als einige Zöllner auf dem Motorrad durch das Niemandsland zum pakistanischen Zollposten, der auf der Höhe des Passes (4740 m) liegt, mitfahren. Hier gibt es ebenfalls eine Fotografierorgie mit den pakistanischen Zöllnern. Die chinesischen und pakistanischen Zöllner tauschen die Mützen und posieren händchenhaltend und sich umarmend vor den eigenen und unseren Kameras. Dann werden die chinesischen Zöllner zurückgefahren und selbstverständlich müssen jetzt die pakistanischen auch auf den Motorräder zum chinesischen Zoll mitgenommen werden. Dort ereignet sich die gleiche Gaudi mit Mützentausch und Fotos, doch schließlich gibt’s ein Ende und die pakistanischen Zöllner werden mit den Motorrädern zurückgebracht.
Die Jeeps mit Frau Liu und Reiner sind mittlerweile auch eingetroffen und man reicht uns zum Mittag Melone und ein paar Kekse.
Die Fahrt geht nun auf der linken Straßenseite (hier waren mal wieder die Engländer) weiter, durch das enge Hunza-Tal. Günter geht es gar nicht gut, er kann kaum die Maschine halten. Dann erreichen wir den Eingang des Nationalparks, der 4 US$ Eintritt kostet. Wir warten vergeblich ca. 1 Stunde auf die Jeeps, Günter kann sich etwas erholen, dann zahlen wir und fahren weiter.
Auch hier gibt es immer wieder Ausblicke auf die schneebedeckten 7-Tausender. Kurz vor Sost ist der Nationalpark zu Ende. Wir kommen in Sost im Zoll-Gelände an, wo uns unser pakistanischer Agent Hussein erwartet.
Abstellen der Motorräder im Zollhof, die Pässe werden eingesammelt und wir gehen zum PCBT-Hotel. Saubere Zimmer, leider ist der LKW noch nicht da, und das Duschen ohne neue Klamotten macht wenig Sinn. Günter hat hohes Fieber und legt sich ab und schläft. Reiner geht es wieder besser. Wir sitzen auf der Dachterrasse bei Limo und Cola (Alkohol gibt’s keinen mehr in Pakistan) und planen den Zusatzausflug auf die Deosai-Plans. Der LKW kommt um 20.00 Uhr, wir holen das Gepäck, der Rest wird in Toyota-Busse umgeladen. Die Hunza-Leute können packen. Die Paletten ordentlich aufs Dach gestapelt, das Gepäck in den Bus. Die Motorräder können im Zollhof stehen bleiben. Es gibt sehr gutes Abendessen, Richtung indischer Küche.
Die Fahrt zu den Deosai-Plans wird von Hamster und Bagger dingfest gemacht für 8 Motorräder und 10 Leute. Yves geht nicht mit, da die Strecke zu schwierig wird, Claus und Michael wollen auf eigene Faust fahren.

16. Tag:

Günter geht es besser, der Schlaf hat gut getan, er frühstückt sogar wieder.
Abschied von Frau Liu, die sichtlich gerührt über unser Trinkgeld ist. Sie hat es sich verdient, da sie es trotz aller Widrigkeiten geschafft hat, dass wir sie Führerscheine, Zulassungen und Nummerschilder behalten können.
Die pakistanischen Zollformalitäten dauern bis 10.00 Uhr und die Fahrt geht anschließend durch das wunderschöne Hunza-Tal auf dem KKH, der sich in schwindelerregenden Höhen an den Berghängen in vielen Kehren durchs Gebirge schlängelt. Die berühmten verzierten pakistanischen LKW’s haben grundsätzlich Vorfahrt und fahren zum Teil auf der Gegenfahrbahn, da sie sonst mit ihre enormen Holzaufbauten an den überhängenden Felswände hängen bleiben würden. Nicht selten kommen einem zwei LKW nebeneinander entgegen und jedes Überholmanöver der LKW wird zum Nervenkitzel. Immer wieder spannen sich waghalsige Konstruktionen von Hängebrücken über den Hunza-Fluss.
In Gulmit treffen wir uns alle im Marco Polo Inn zum Mittagessen wieder. Das Essen ist wieder einmal gut, wie immer in Pakistan.
Weiter geht’s mit traumhafter Szenerie von hohen Bergen, den Fluss tief unter uns, an steilen Felswänden entlang, in der der KKH eingemeißelt wurde, nach Karimabad. Dort logieren wir im Hotel Baltik Inn mit Blick auf das Baltik Fort. Abends kommt unsere gemietete Crew mit dem Jeep für die Deosai-Plans und wir laden unser Gepäck schon ein.

17. Tag:

Aufstehen um 4.45 Uhr und Abfahrt um 5 Uhr nach Gilgit. In knapp 2 Stunden haben wir Gilgit (105 km) erreicht, wo wir auf unsere Crew treffen. Diese führen uns durch einen Tunnel mit Kehre, die sofort auf einen Hängebrücke führt, zum Hotel.
Frühstück und weiter geht die Fahrt nach Janglot, wo die Abfahrt nach Skardu über die Swinging Bridge geht. Die geteerte Straße enthält immer wieder durch Erdrutsche bedingte Geröllpassagen. In engen Kehren zieht sich die Straße am Felsen oberhalb des tosenden Indus entlang. Auf der teils nur einspurigen Strecke, auf der immer wieder LKW überholt werden müssen, kommen wir nur langsam voran.
Nach insgesamt 179 km nach Gilgit tanken wir in einem kleinen Dorf. Dann geht es noch mal 150 km bis Skardu. Die längste Felsenschlucht der Welt scheint nie enden zu wollen. Kurz vor Skardu weitet sich das Tal und wir müssen uns an einem Kontrollposten an der Hängebrücke ins Buch eintagen. Gegen 14.00 Uhr ist Skardu erreicht und wir machen Mittag im K2 Hotel.
Auftanken der Motorräder. Der Begleit-Jeep erreicht ebenfalls das Hotel und fährt ein Stück vor uns her, damit wir den Weg zu den Deosai-Plains leichter finden. Wir erreichen die Grenze zum Nationalpark und müssen Eintritt bezahlen. Die steinige und steile Strecke führt zunächst am See entlang, dann geht’s immer steiler den Pass hinauf am Flussufer entlang. Kurz vor der Passhöhe auf ca. 4 000 m ist die Piste äußerst steil mit grobem Schotter. Die Maschine hat Atemnot und die Fahrer sind allmählich erschöpft vom langen Tag. Einige schaffen es nur noch mit der Hilfe der anderen bis auf den Pass. Unsere Maschine streikt, nimmt kein Gas mehr an. Reiner fährt mit Hilfe der schiebenden Jungs die Maschine des letzte Stück hinauf. Auf dem Pass angelangt holt uns unser Begleit-Jeep ein und weiß einen Lagerplatz, der noch ca. 15 Minuten Fahrt bedeutet. Kurz vor dem Regenguss erreichen wir einen schönen Platz am Fluss auf 4 100 m Höhe, den wir am nächsten Tag überqueren müssen.
Die Zelte sind schnell aufgebaut und die Hunza-Travel-Leute haben ebenfalls in windeseile ein Koch und Ess-Zelt aufgebaut. Mit unermüdlichem Fleiß zaubern sie uns ein köstliches Abendessen her und verkürzen uns die Zeit des Wartens mit Keksen, Nüssen, Tee, Cola, Limo und Wasser.
Margaretes Rücken und vor allem die Bandscheiben haben auf dieser Strecke sehr gelitten und es ist besser für sie, die nassen verschwitzen Klamotten auszuziehen und sich in den Schlafsack zu verkriechen, damit sie den nächsten Tag übersteht.
Die Nacht wird frostig, aber Schlafsack und Thermo-Wäsche halten warm.

18. Tag:

Die Hunza-Mannschaft zaubert wieder ein herrliches Frühstück. Zelte abbauen und die erste Wasserdurchfahrt liegt vor der Haustüre. Wir haben Glück, der Wasserstand ist niedrig, nur ca. 50-80 cm tief. Trotzdem erweist sich die Durchfahrt als schwierig, da große glatte Kieselsteine den Untergrund bilden und der Fluss eine leichte Strömung hat. Die Sozias tragen die wichtigen Klamotten in mehreren Etappen hinüber ans andere Ufer. Immer wieder machen sie eine Pause um die kalten Beine aufzuwärmen, bevor es erneut durchs Wasser geht.
Nacheinader werden die Motorräder durch den Fluss gefahren. Hin und wieder muss hier und dort mitgeschoben werden. Ulli legt kurz vor dem Uferrand sein Motorrad hin, was aber ohne weitere Folgen bleibt.
Wieder anziehen und startklar machen, es geht auf einer Schotterpiste bis zur Swinging Bridge, die wirklich abenteuerlich aussieht. Die Bretter sind lose auf nicht vertrauenswürdigen Drähten gelegt. Für die Fotos fahren manche mehrmals drüber.
Weiter führt die Piste bis zum See, ganz nah am Nanga Parbat, der sich allerdings in Wolken gehüllt hat. Die Hunza-Crew versorgt uns mit Keksen und Schokolade. Die nächste Wasserdurchfahrt ist recht einfach. Es kommt noch mal eine steile Schotterpiste abwärts.
Am Ausgang des Nationalparks muss man den Eintrittsbeleg wieder abgeben. Die Landschaft und die Häuser haben sich verändert. Das weite Tal zieht sich mehr und mehr zu einer engen Schlucht zu, die ebenfalls nicht enden will. Ulli hat einen Platten und das ganze Dorf schaut zu und lernt erstaunt, wie man mit Seife und Wasser den Reifen in die Felge bekommt.
Die Zeit drängt, es wird nicht mehr lange dauern bis es dunkel ist. An der Hängebrücke angelangt, sieht man den KKH. In der Hoffnung bald auf diesen zu treffen geht es noch fünfzig nicht enden wollende Kilometer, bis wir ihn kurz vor Janglot erreichen. Kurz hinter dem Ort ist unser Tank ist leer und wir müssen zurück zum Tanken. Mittlerweile ist es dunkel geworden und wir müssen noch mal 50 km bis Gilgit fahren. Unser Scheinwerfer, der völlig verdreckt ist, leuchtet die mit Schlaglöchern übersähte Straße nur ungenügend aus. Immer wieder muss man unbeleuchteten Fahrzeugen, Menschen und Tieren in letzter Sekunde ausweichen. Wir sind heilfroh, endlich das Hotel erreicht zu haben.
Duschen und Umziehen und im wunderschönen Garten gibt es Abendessen.

19. Tag:

Abfahrt erst um 10.00 Uhr. An Michaels BMW ist das Ölthermostat undicht und erntet den Spot von dem Rest der Gruppe: Dicke HPN aber für einen anständigen Motorschutz hat es nicht mehr gereicht.
Insgesamt haben wir 320 km bis Besham vor uns. Es gibt eine ziemliche Hetzfahrt. Kurzer Fotostop zum Blick auf die 3 höchsten Gebirge der Welt: Hindokusch, Karakorum und Himalaja. Auch der Nanga Parbat zeigt sich im Sonnenlicht. Ansonsten kaum Zeit für Fotopausen oder zum Suchen der berühmten Felsgravuren.
Mittagsstop in Chilas, wir warten lange auf das (sehr gute) Mittagessen.
Tanken und Weiterfahrt, danach kurzer Stopp in Jalkot, einem Truck-Stop. Auch unsere Hunza-Crew kommt dort an. Günter macht Fotos von einem Pakistani-LKW, er wird eingeladen, innen zu fotografieren und soll sogar selbst den Truck fahren.
Der KKH schlängelt sich immer noch in schwindelerregender Höhe über dem tosenden Indus. Das Klima ändert sich, mit der Abnahme der Höhe wird es neben der Hitze auch noch schwül. Wir sind total durchgeschwitzt. Wir erreichen das PBDC-Hotel in Besham kurz vor der Dunkelheit. Wieder ist der Jeep mit unserem Gepäck nicht da, Duschen hat noch keinen Sinn. Es gibt wieder Theater beim Abendessen mit den Getränken.

20. Tag:

Tanken in Besham und Weiterfahrt über den Swart-Pass, ca. 60 km bis zur Passhöhe. Die Schotterpiste ist einspurig und die Überholmanöver sind anstrengend. Die Menschen in den Dörfern winken uns freundlich zu. Es gibt leider keine Zeit zur näheren Kontaktaufnahme, denn Peshawar ist noch weit.
Lustig sind die „Unterhaltungen“ mit den Insassen vorausfahrender Sammeltaxis, die überladen sind mit Menschen, von denen jeder mit Gesten uns etwas zu sagen hat. Nach der Passhöhe sind es noch 99 km bis Mingora. Diese quirlige Stadt zeichnet sich aus, dass alle Fahrzeuge bunt bemalt und mit irgendwelchen Holzaufbauten verziert sind.
Die ebenfalls verzierten 3-Rad-Taxis schlängeln sich geschickt durch den dichten Straßenverkehr. An einer Straßenkreuzung zeigen uns die Polizisten schon, ohne dass wir fragen, den Weg, denn es sind schon einige Motorradfahrer durchgefahren. Mingora liegt in der Ebene und die schwüle Hitze ist sehr anstrengend.
In Bat Khela treffen sich alle (bis auf Yves) an einem „Kiosk“ am Straßenrand. Achim ist ziemlich krank und schwach. Niemand hat Yves gesehen. Nach einer kurzen Weiterfahrt stürzt Achim in einer Kurve und hat totales Glück, dass es diesmal eine Randbefestigung gibt. Langsame Weiterfahrt, aber später gibt Achim doch das Motorrad an Edelgard ab. Wir fahren im Konvoi nach Peshawar mit kurzem Stop in Pabbi, trinken etwas und Achim ruht sich auf dem Feldbett des Getränkehändlers aus.
Weiterfahrt nach Peshawar, dort kurze Irrfahrt bei der Hotelsuche. Schließlich führt uns ein 3-Rad-Taxi zum Hotel, das auf den 1. Blick wie eine Hinterhofspelunke aussieht.
Das Hotel war dennoch in Ordnung und das Abendessen hervorragend. Bagger und Pickel lechzen nach Alkohol und lassen sich vom Guide in ein Hotel bringen, wo es tatsächlich Alkohol gibt, allerdings nur 3 Dosen Bier.

21. Tag:

Peshawar (1,13 Mio EW) liegt auf 350 m Höhe und die schwüle Hitze zu dieser Jahreszeit ist unangenehm. Einige fahren direkt nach Taxila, der Rest unternimmt morgens einen Stadtbummel in Peshawar, der leider etwas hektisch ausfällt, weil am Nachmittag die Ausgrabungen von Taxila auf dem Programm stehen.
Die Besichtigungstour führt uns in die Bazar-Gassen der Altstadt, in der auch die Mahabat-Moschee liegt. Mittags sind wir zurück am Hotel, wo ein enttäuschter Pressefotograf wartet. Er hatte gehofft, die ganze Motorrad-Kolonne anzutreffen.
Die Fahrt geht dann nach Taxila (130 km). Unterwegs machen wir kurz halt in einem Truck-Stop und unser Mittagessen suchen wir uns aus den vielen Töpfen der Garküche aus. Dazu gibt’s frisches Brot und Cola.
Ankunft in Taxila im PBDC-Hotel. Es gibt nicht genügend Zimmer, weil das dazugehörige Guesthouse geschlossen ist. Hamster, Edelgard, Bagger, Pickel, Michael, Achim und wir bleiben in Taxila. Der Rest fährt schon ins Nobel-Hotel Pearl Continental. Die versprochene Ausgrabungsstätte ist geschlossen, somit verbringen wir den Nachmittag bei Cola und Limo auf Hallenbergs Kosten auf der Dachterrasse. Hamster liegt im Bett und ist krank, Edelgard räumt die Klamotten um, da Pickel, Bagger und Hamster uns am nächsten Tag verlassen und den Rückweg über Land fortsetzen werden. Abends gibt es ein herrliches Essen.

22. Tag:

Morgens Weiterfahrt nach Rawalpindi (160 km) ins Pearl Continental Hotel. Dort verbreitet Nils wieder Hektik, dass man kaum Zeit hat, seine Koffer auf das Zimmer zu bringen.
Abfahrt Richtung Zoll. Kurz vor dem Zoll gibt’s einen Stopp, angeblich fehlen Papiere. Um die Wartezeit auszunutzen fahren wir zur Tankstelle und reinigen unsere Motorräder. Dort sitzen wir über Stunden in der Sonne und nichts geht voran. Wir fahren am Nachmittag zurück zum Hotel, essen zu Mittag und warten auf Nils, der sich beim Zoll befindet.
Die Sozias, Edelgard, Christine und Margarete, können bei der Zollabfertigung eh nicht helfen und beschließen in die Altstadt zu fahren. Taxifahrt 40 Rupis. Dort laufen sie durch die Bazarviertel und werden überall herzlichst begrüßt. Die Ausbeute sind ein paar Messing-Kännchen und Seidenstoffe, die sie sich im Näher- und Schneider- Bazar gleich nähen lassen. Sie wollen mit einem 3-Rad-Taxi zurück, doch leider fahren die nur in der Altstadt. Zurück im Hotel erfahren sie, dass bezüglich der Zollabfertigung nichts passiert ist, die Fahrer haben nur im Hotel gewartet, um die Motorräder endlich zum Zoll bringen zu können.
Nach dem Abendessen taucht dann Nils Hallenberg wieder auf. Er sagt, dass bei der Einreise in Soust vom dortigen Zoll ein Stempel vergessen wurde, die Motorräder dadurch offizell nicht im Land sind. Er versichert, dass aber alles geklärt ist, und das morgen mit dem Verpacken der Motorräder begonnen werden kann.

23. Tag:

Frühstück, und die Beifahrerinnen machen sich diesmal zu Fuß auf den Weg. Mit den Kaufaufträgen für Seidenstoffe von verschiedenen Mopedfahrern machen sie sich wieder auf in die Stadt. In einem neueren Stadtteil kaufen sie weiße Seide am laufenden Meter und fahren anschließend mit einem 3-Rad-Taxi in die Altstadt. Man erkennt sie wieder und begrüßt sie äußerst freundlich. Im Färber-Viertel lassen sie die Stoffe in verschiedenen Farben färben. Es ist ein kleiner Laden mit nur 3 Farbtiegeln aber mit einer Farbtafel von ca. 100 Farben zur Auswahl, der Fäber ist ein kleiner Junge.
Sie suchen verschiedene Farben aus, am Nachmittag sei dies fertig. Andere Stoffe bringen sie wieder ins Schneider-Viertel zu „ihrem“ Schneider. Mittags geht’s zurück zum Hotel, Mittagessen, die Fahrer sind nicht da. Anschließend fahren sie wieder in die Stadt, um die Seidentücher abzuholen, die erstaunlicherweise wirklich die gewünschten Farben haben.
Der Färber lädt sie mit Gesten (er spricht kein englisch) zum Getränk ein (sie haben, wie es Pflicht ist, 3 mal abgelehnt) und erwarten Tee, doch sein kleiner Geselle kommt mit Cola zurück. Sie sind beschämt, da die Cola ca. ¾ des Preises ausmacht, den sie für seine Arbeit bezahlt haben.
Sie geben die gefärbten Tücher zum Schneider, der diese noch umketteln soll und fahren zurück zum Hotel. Dort holt Margarete ihren Helm, der eh in Pakistan bleiben soll und Edelgard hat noch eine Kappe. Zurück im Färber-Viertel erhält der Färber den Helm und sein kleiner Geselle die Kappe. Dieser freut sich riesig und kann es kaum fassen. Kurz müssen sie noch auf die Näharbeiten warten und fahren zurück zum Hotel. Dort erfahren sie, was die Fahrer erlebt haben.

Am Morgen geht’s zum Zoll, so hieß es. Doch statt beim Zoll finden sich die Fahrer mit den Motorrädern auf einer Wiese in der Nähe eines Bahnhofes wieder. Hier sollen die Motorräder verpackt werden, um im Container zunächst per Bahnfracht nach Karachi und von dort per Seefracht nach Hamburg transportiert zu werden.
Der bestellte Container ist kleiner als auf dem Hinweg, d.h. einige Motorräder müssen gestapelt werden, was bedeutet, dass die Motorräder in stapelbaren Kisten verpackt werden müssen.
Es wird schnell klar, das aufgrund der mangelnden Fähigkeiten der von Nils Hallenberg georderten Schreiner/Tischler und des nicht geeigneten Materials (Sperrholzbretter und verrostete Nägel), das Fertigen von stapelbaren Transportkisten in der verbleibenden Zeit nicht möglich ist. Aus diesem Grund wird von den Fahrern ein größerer Container gefordert, so dass ein halbwegs sicherer Transport der Motorräder gewährleistet ist, da nicht gestapelt werden muß. Mit dieser Forderung ist Nils Hallenberg nach kurzer Diskusion einverstanden.
Ausbauen der Forderräder, demontage von diversen Kleinteilen wie Lenker, Verkleidungsteile oder Spiegel und verzurren der Motorräder auf den Paletten, bei ca. 35-40 Grad im Schatten, aber weit und breit kein Schatten in Sicht.
Beim Bauen der Kisten kommen in der Gruppe berechtigte Zweifel auf, dass die Motorräder mit dem vorhandenen Material derart stabil verpackt werden können, dass sie einen Transport per Bahn und Schiff bis Hamburg unbeschadet überstehen. Deshalb wird die Versendung auf dem Luftwege gefordert, was dann auch gemacht wird.

Im Laufe des Tages stellt sich auch heraus, dass es immer noch Probleme mit dem Zoll gibt. Die Motorräder sind offiziell immer noch nicht im Lande. Der Zoll fragt immer wieder nach den Carnet, die es aber nicht gibt.
Um 16.00 Uhr hat der Zoll Feierabend, die Motorräder stehen auf einer Wiese in unfertigen Kisten und am nächsten Tag geht der Flug nach Europa. Nils Hallenberg garantiert, dass die Abfertigung der Motorräder von seinen pakistanischen Agenten ordnungsgemäß durchgeführt wird und die Motorräder in 10 Tagen in Frankfurt ankommen werden.

Als kleine Entschädigung lädt der Agent von Hunza Travel die Reisegruppe zu einer Besichtigung der Faisal-Moschee in Islamabad und anschließend zu einem wunderbaren Essen ein.

24. Tag:

Abfahrt in aller Frühe und Rückflug nach Deutschland. Alle Teilnehmer haben dabei ein ungutes Gefühl, die Motorräder einfach zurück zu lassen (siehe hierzu auch Tipps, Motorrantransprt).