Landesinformation down

Die Republik Niger liegt in der Mitte des nordwestlichen Afrikas und ist umgeben von sieben Nachbarn: Algerien, Benin, Burkina Faso, Libyen, Nigeria, Mali und Tschad. Diese Länder bilden die Sahelzone, die seit Ende der 60er-Jahre von Dürreperioden heimgesucht wird. Als Binnenland im Sahel ist der Niger bemüht um gute Beziehungen zu den umliegenden Ländern. Frankreich spielt bis heute eine Sonderrolle in seiner ehemaligen Kolonie. Im Februar 2002 haben Niger, Mali und Burkina Faso beschlossen, eine aus Mitgliedern der drei Staaten bestehende gemeinsame Sicherheitsbrigade zum Schutz der gemeinsamen Grenzen zu bilden. Niger ist auch ein Verbindungsland zwischen der arabischen Welt und Schwarzafrika. Der Landesname leitet sich vom Fluß Niger ab. Der Staat gliedert sich in sieben Departements (Agadez, Diffa, Dosso, Maradi, Tahoua, Tillaberi, Zinder), sowie 38 Arrondissements und einem Hauptstadtdistrikt.
Hauptstadt ist Niamey mit 900.000 Einwohnern, weitere große Städte sind Zinder mit 119.827 Einwohnern, Maradi mit 110.005 Einwohnern, Tahoua mit 49,948 Einwohnern und Agadez mit 32.272 Einwohnern.
Die Landesfläche ist fünfmal so groß wie Deutschland, davon sind 2% Buschland, 3% Ackerland und 88% Wüste
Amtssprache ist französisch, daneben sind die wichtigsten Landessprachen Haussa, Djerma und Tamaschek (Tuareg).
Ethnische Zusammensetzung der Bevölkerung: Hausa 53.0%, Zerma- (Djerma-) Songhai 21.2%, Tuareg 10.4%, Fulani (Peul) 9.8%, Kanuri-Nanga 4.4%, Teda 0.4%, Araber 0.3%, Gurma 0.3%, andere 0.2%.
Es gibt keine Staatsreligion, die meisten Menschen sind Sunnitische Moslems 95%, Animisten 4,5%, Christen 0,5%.
Höchster Berg ist der Mount Greboun mit 1944m und längster Fluss ist der Niger, der allerdings nur zu einem kleinen Teil durchs Land fließt.
Die nördlichen zwei Drittel des Landes liegen in der Sahara, doch das heiße und zumeist trockene Klima ist je nach Jahreszeit und Region deutlich unterschieden. Das unfruchtbare Hochland des Nordens ist Teil einer Bergkette, die sich von Algerien bis in den Tschad erstreckt. Den Osten bildet eine ausgedehnte Wüste mit Sanddünen und steinigem Untergrund.
Fauna/Flora: Im Südosten des Landes, in der Umgebung des Tschadsees, liegt das Mangaland, das durch Savannenvegetation geprägt ist. Der Pflanzenreichtum des Landes wird von Mahagoni-, Kapok- und Affenbrotbäumen bestimmt, an den Wüstenrändern gedeihen Dattelpalmen. Die Vielfalt der Tierwelt ist bedroht, zumal es kaum Schutzmaßnahmen gibt. Entlang des Niger-Flusses sind große Herden von Flusspferden zu beobachten sowie eine artenreiche Vogelwelt, zu der auch Kraniche und Reiher zählen. Eine kleine Population der Tschad-Giraffe lebt in einem geschützten Reservat in der Nähe von Niamey.
Weltkulturerbe: Naturparks Air und Tenere; Nationalpark

Reiseverlauf up down

Von einer Freundin hatten wir erfahren, dass der einheimische Reiseleiter für die Touren im Niger, der Targi Souleymane, des Reiseanbieters Oasereisen heiratet und dass Oasereisen eine Sonderreise zu dieser Tuareg-Hochzeit für ein paar Freunde Souleymanes organisiert. Da Oasereisen zu den wenigen Anbietern gehört, der auch Reisen zu den Gerewol-Festen anbietet und sich die Tuareghochzeit mit einem Besuch eines Gerewolfestes kombinieren lies, hatten wir uns entschlossen an dieser Reise teilzunehmen. Diese Reise war sozusagen eine private Reise des Anbieters und somit auch nicht in dieser Form im offiziellen Angebot.

1. Tag
 
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Abflug von Frankfurt mit der Royal Air Maroc, Zwischenstopp in Casablanca, Ankunft um Mitternacht in Niamey. Einreise und Zollabfertigung gehen problemlos, Werner Gartung erwartet uns. Wir tauschen Geld bei den fliegenden Händlern (100€ = 64000CFS). Aufpassen ist hier angesagt, da man uns schon um 10.000CFS linken will. Mit den Jeeps geht es dann ca. 23km zum Dorf. Wir beziehen unsere Hütten und hängen die Moskito-Netze auf. Bei schwüler Hitze sitzen wir noch mit einem kühlen Bier draußen. Wir erfahren, dass wegen Malariaerkrankung der beiden Brautleute die Hochzeit sehr wahrscheinlich ausfallen wird. Die Stimmung ist sofort auf dem Null-Punkt, denn das war neben den Gerewol-Festen der eigentliche Grund der Reise. Enttäuscht legen wir uns schlafen .

2. Tag
 
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Wir haben wenig geschlafen in der kurzen Nacht, es ist einfach zu heiß und zu schwül. Nach dem Frühstück fahren wir über Niamey Richtung Westen zu einem Markt, der am Niger liegt. Neben Vieh und Töpferwaren wird hier alles angeboten, was zum täglichen Gebrauch benötigt wird. Hier sind alle verschiedenen Völkergruppen vertreten und versetzen einen mit ihren bunten Gewändern regelrecht in einen Farbenrausch. Viele Frauen wollen nicht fotografiert werden. Wir besuchen eine Familie, die im Hof Hirse stampft und uns zeigt wie schnell aus einem Klumpen Ton ein Gefäß entsteht. Hier dürfen wir fotografieren und lassen dafür einen Obolus zurück. Nach dem Markt fahren wir zurück nach Niamey zu Werners Haus. Dort gibt es Mittagessen und nach einer (viel zu langen ) Pause geht es zurück zum Dorf und weiter zum Giraffenpark. Mit Hilfe eines Parkwächters sehen wir bald eine Gruppe Giraffen. Wir können uns bis auf wenige Meter an diese Tschad-Giraffen zu Fuß nähern. Sie sind nicht sehr scheu. Aus dem Gebüsch kommen immer mehr Giraffen heran, wir zählen 14 Tiere. Zurück im Camp ist die Stimmung ziemlich unten, da der Ausfall der Hochzeit immer wahrscheinlicher wird. Als Ersatz wollen wir in 2 Tagen zu einem Tuareg-Fest bei Agadez fahren.
Das Camp ist neu, wir sind die ersten Gäste. Zum Abendessen soll gegrillt werden, hierzu wird der neugebaute Grill angeschmissen. Der stellt sich aber als Fehlkonstruktion heraus, das Rost ist viel zu weit vom Feuer weg, was bedeutet, dass das sehr leckere Abendessen erst um 22.30 fertig ist. Manchen ist das zu spät und sie gehen vorher schlafen.

3. Tag
 
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Heute Nacht haben wir etwas besser geschlafen, da ein wenig Wind durch die Öffnungen der Hütte wehte. Nach dem Frühstück und der „Dusche“ geht es pünktlich um 9.00 Uhr los Richtung Agadez. Das Rappeln der Räder der Autos von Schischi und Boukarie wird immer schlimmer. Boukarie, unser Fahrer für den Rest der Tour, wechselt die Reifen. Es hilft ein wenig. Der Küchenwagen fehlt, aber trotzdem wird noch bis Dosso weitergefahren. Uns setzt man beim Hotel Djerma ab, die beiden Autos kommen in die Werkstadt und Werner fährt mit dem Hauptwagen zurück, um nach dem Verbleib des Küchenwagens zu schauen. Günter und ich laufen durch die Marktstraßen in Dosso und setzen uns dann zu den anderen in den Garten des Hotels zum Trinken. Nach einer guten Stunde, die Jungs sind zurück mit den Autos aus der Werkstatt, fährt Klaus, ein Reiseleiter, der uns zur Zeit noch begleitet, mit Boukarie ebenfalls weg, um die beiden Autos nun zu suchen. Die Stimmung ist äußerst mies, zu der ausgefallenen Hochzeit kommt nun noch das unnötige Warten in diesem Nest dazu. Günter und ich gehen raus zur Straße, um dem Treiben dort zuzuschauen und erhalten auch ein paar Schnappschüsse. Stunden vergehen und die Meute kocht. Wir sind heute nur 135km weg von Niamey und es liegen noch knapp 900km vor uns. Wir haben Angst, dass wir das Tuareg-Fest auch noch verpassen.
Gegen 16:30 kommt der Hauptwagen mit Werner an. Der Küchenwagen ist in Niamey zur Reparatur, die Achse war gebrochen und die Ersatzteile müssen erst besorgt und eingebaut werden. Boukarie ist bei dem Küchenwagen geblieben. Wir sind fast alle aufgebracht und einige beschließen, die Reise abzubrechen, da der Sinn der Reise nicht erfüllt wird. Wir essen zu Abend im Hotel und fahren dann um 17:30 Richtung Niamey zurück zum Dorf. Nach einer halben Stunde kommen uns dann Boukarie und der Küchenwagen entgegen. Also wieder kehrt und wir fahren noch bis ca. 20.30 Richtung Agadez. Der Aufbau unseres Camps findet im Mondschein etwas abseits der Straße satt. Freibier beschwichtigt ein wenig die Gemüter.

4. Tag
 
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Nachts hören wir das rhythmische Hirsestampfen, das ich vermeintlich als festliches Trommeln interpretiert habe. 6.00 Uhr aufstehen, frühstücken und um 8.15 Uhr fahren wir los. Um 11.00 Uhr erreichen wir Dogondoutschi, tanken und machen eine kurze Rast. Gegen Mittag reißt die Kardanwelle des Küchenwagens ab. Der Reparaturstopp wird zur Mittagspause am Straßenrand. Die erneute Panne erhöht nicht gerade die Stimmung. Nur die herbeigeeilten Kinder mit Schüsseln voll Gebäck und anderer Lebensmittel bieten in der Zwangspause eine Abwechslung. Der Küchenwagen soll nun in Agadez ausgetauscht werden - warum nicht schon direkt in Niamey? Nun heißt es auf einmal, dass Souleymane, unser Bräutigam die Tour ab Agadez weiter führen soll - plötzliche Genesung von der Malaria? Wir fahren heute noch bis ca. 160km vor Agadez und bauen unser Camp wieder im Dunkeln mit Mondschein auf, das heißt, wir werden die Feierlichkeiten des Morgens nicht miterleben können.
Abendessen und ab ins Zelt.

5. Tag
 
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Ich habe die ganze Nacht Brechdurchfall gehabt. Tabletten gegen Erbrechen und Durchfall machen zwar meine Öffnungen dicht, aber mir ist es hundeelend zumute. In der Nähe des Camps gibt es eine Gruppe Tuareg. Wir wandern dort hin, sie sind sehr gastfreundlich und lassen sich und ihre Habseligkeiten, offene Zelte mit Lederdecken überspannt, fotografieren. 50km vor Agadez wartet Souleymane mit einem neuen Küchenwagen auf uns. Alle sind hin und hergerissen von dem niedlichen Kerlchen. Wir fahren nach Agadez zum Hotel de L’Aiir. Ich lege mich dort aufs Ohr, aber es wird nicht besser. Wir fahren zu einem Restaurant zum Mittagessen, ich habe Fieber und entscheide mich, die Nacht im Hotel zu bleiben. Die anderen fahren zum Tuareg-Fest, wo nachmittags noch ein Kamelrennen stattfinden soll.
Im Hotel dusche ich als erstes und dann schlafe ich bis zum Abend. Anschließend gehe ich vor die Türe und werde von den Souvenirhändlern begrüßt. Jeder weiß, dass ich krank bin und zur Gruppe Souleymane gehöre und werde aufgenommen wie in eine Familie. In den Souvenirläden schaue ich mir in Ruhe die Sachen an und erkundige mich nach den Preisen. Meine kleine Notlüge, mein Mann hätte das Geld, gibt mir diese Freiheit. Die Jungs hier verstehen arabisch und so komme ich mit einem Gemisch aus französisch und arabisch gut über die Runden. Nach einer Stunde gehe ich zurück in mein Zimmer, so gut geht es mir doch noch nicht.

Günter erlebt mit den andern das Fest der Tuareg. Mittelpunkt ist die Tende, in der Mitte hocken die Frauen, singen und trommeln dazu, während die Kamelreiter diese so eng wie möglich umrunden. Da die Kamele durch das Reiten im Kreise sehr nervös werden, lassen die Reiter die Kamele immer wieder auf der Strecke ausrennen, was sehr beeindruckend ist. Die Tuareg sehen majestätisch aus mit ihren Gewändern und dunklem Schech hoch oben auf den Kamelen sitzend.
Abends spielen die Tuareg mit E-Gitarre und Schlagzeug ihre Befreiungslieder. Es herrscht eine tolle Stimmung. Unser Aufnahmegerät, das wir eigens für solche Fälle mitgenommen haben, kann nicht zum Einsatz kommen, da ich das Mikrofon in der Tasche habe und auch Günters Blitz ist in meinem Rucksack, das haben wir in der Eile heute Mittag nicht berücksichtigt und er kann keine Nachtaufnahmen machen. Irgendwann versucht er doch Fotos zu machen und als er zur Gruppe zurück gehen will ist diese nicht mehr da. Er kennt zwar die Richtung zum Lager, aber in der Dunkelheit und ohne Kompass hat er keine Chance das Lager zu finden, das einige Kilometer abseits des Festplatzes in der Wüste errichtet wurde. So entschließt er sich erst mal, bis zum Ende des Konzerts zu bleiben. Nach einiger Zeit kommen die Fahrer jedoch zurück und sie sind froh, dass sie Günter wiedergefunden haben. Günter ist auch erleichtert, dass er keine Nacht im Freien verbringen muss und er genießt mit den Fahrern noch eine Weile die Musik, bevor sie ihn zum Camp zurückbringen.
In der Gruppe hat sich die Stimmung gewandelt, der Charme Souleymanes hat alle verzaubert und niemand will mehr vorzeitig zurück.

6. Tag
 
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Am Morgen geht das Tuaregfest weiter. Die Tuaregfrauen reiten mit ihren Eseln, die mit dem kompletten Hausrat bepackt sind, vor. Dann findet ein Kamelrennen statt. Die Anschließende Siegerehrung ist ein besonderes Spektakel, die Frauen trommeln und singen, die vielen Reiter auf ihren Kamelen, die vielen Zuschauer in ihren festlichen Gewändern - ein wahrer Ohren- und Augenschmaus.

Ich habe die ganze Nacht geschlafen, das Fieber scheint weg zu sein. Ich gehe zum Frühstück, trinke vorsichtig den Kaffee und esse ein trockenes Baguette. Dann setze ich mich auf die überdachte Dachterrasse, wo ich dem Treiben des Platzes unbehelligt zuschauen will. Ich weiß nicht, wie die mich entdeckt haben, aber auf einmal kommt aus allen Ecken „ Margarete, ca va, kaifa halek?“ .Man ist erfreut, dass es mir wieder gut geht. Ich wage mich auf die Straße, um durch die Marktgassen zu bummeln. Es ist unmöglich: ca. 15 Leute sind um mich herum, wollen mir etwas verkaufen, zeigen oder nur Gesundheit wünschen. Ich breche dies ab und ziehe mich wieder auf die Dachterrasse zurück. Gegen 15:00 Uhr kommt die Gruppe zurück. Mit Ahmed, der ein verkrüppeltes Bein hat, hatte ich heute Morgen schon ausgemacht, dass wir zusammen mit Günter die Moschee besichtigen wollen. Ich hatte gehofft, durch den einen die anderen selbsternannten Führer abwimmeln zu können. Aber so einfach war das nicht. Nach längerem Warten kommt dann der Wärter der Moschee und schließt auf und lässt uns für 2000 CFS (mit verhandeln) den Turm hinaufklettern. Er wird immer enger und niedriger, aber der Ausblick lohnt sich: Rundumblick über Agadez. Außerdem gibt es noch Fledermäuse im Turm. Ahmed kaufe ich als Bezahlung ein Schmuckstück ab.
Danach fahren wir zu einem Tuareg - Dorf. Die hier lebenden Tuareg sind sesshaft geworden und leben in Rundhütten aus Lehm und Stroh, halten Ziegen, Schafe und Hühner. Sie sind Touristen gewöhnt und versuchen geschäftstüchtig ihren Schmuck und Gebrauchsgüter an uns zu verkaufen. Zurück im Hotel legt sich Günter ab, er hat auch Durchfall und fühlt sich nicht gut. Wir fahren dann zum Essen raus, ich teste nur ein wenig das leckere Essen. Zurück im Hotel erwartet Günter mich mit leichtem Fieber. Die laute Klimaanlage läuft die ganze Nacht, ansonsten ist es in dem Loch nicht auszuhalten.

7. Tag
 
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Einigermaßen geschlafen, Günter geht es etwas besser, aber Renate ist völlig malade und bleibt im Hotel. Wir fahren raus Richtung Südwesten, um ein Wodaabe-Fest zu suchen. Wir finden auch eine Gruppe und werden freundlich von jedem Nomaden mit „Üssi, Üssi“ begrüßt. Dabei werden die Hände geschüttelt bzw. in allen möglichen Formen berührt. Die Menschen leben vollständig unter freiem Himmel, keine Plane oder Decke schützt den Wohnbereich. Alles spielt sich auf der Erde ab, nur ein Bett steht auf Stelzen. Es gibt eine Art Tisch, auf dem reichhaltig geschmückte Gebrauchsgegenstände liegen. Wir bauen unser Mittagslager in der Nähe dieser Nomadengruppe auf und verbringen die Mittagshitze im Schatten. Neugierig kommen immer wieder Nomaden zu uns und begrüßen uns.
Am späten Nachmittag gehen wir noch einmal zu der Nomadengruppe. Wieder beginnt die aufwendige Begrüßung. Eine Gruppe herrlich herausgeputzter und geschminkter junger Männer steht im Halbkreis, schneidet fleißig Grimassen und singt dazu einen monotonen Gesang. Mit diesem Ritual versuchen sie die Aufmerksamkeit der jungen Mädchen auf sich zu ziehen. Ringsherum reiten einige auf ihren Kamelen rund um die Gruppe. Ein altes Mütterchen, dass mich am Morgen schon herzlichst begrüßt hat, nimmt mich an der Hand, erzählt mir unentwegt etwas. Dann geht sie mit mir auf die singenden Jungs zu und feuert sie an, sich mehr anzustrengen. Was ich soll, ist mir nicht ganz klar, soll ich auch anfeuern oder mir einen hübschen Knaben aussuchen?
Es ist sehr windig und ziemlich rasch zieht ein Sandsturm auf. Ich nehme den Gesang auf, der aber, wie sich später rausstellt, völlig vom Wind überlagert ist. Es wird dann rasch total dunkel und wir retten uns vor dem Sturm und Regen in die Autos. Die Nomaden sind diesem Wetter schutzlos ausgeliefert. Nur wenige haben eine kleine Plastikplane, um ihre Habseligkeiten zu schützen.
Es sind noch mehr aus unserer Gruppe krank geworden und lassen sich ins Hotel nach Agadez bringen. Der Rest der Gruppe baut, nachdem der Sandsturm vorbei ist, sein Lager auf. Nach dem Abendessen sitzen wir am Feuer, genießen den typischen Tuareg-Tee (sehr konzentriert) und Souleymane und Mohammed erzählen uns Geschichten und Fabeln der Tuareg. Durch den Regen hat es etwas abgekühlt und wir können etwas besser einschlafen.

8. Tag
 
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Nach dem Frühstück und dem Zeltabbau besuchen wir noch einmal die Nomaden. Wieder gibt es eine herzliche Begrüßung und Händeschütteln. Auch untereinander begrüßen sich die Nomaden immer wieder. Beeindruckend finde ich, dass 3 Nomaden ihre Schuhe ausziehen, die Waffen ablegen und das imaginäre Haus einer Familie betreten und sich dort in vielen Formen und Ritualen begrüßen. Jetzt erst wird uns bewusst, dass wir wahrscheinlich mehrfach durch imaginäre Häuser durchgegangen sind, ohne es zu wissen. Wir übergeben ein paar Geschenke wie Spiegel, Schirme, Spielzeug für die Kinder, Bonbons kennen sie nicht und spucken sie wieder aus. Wir bedanken uns so für ihre Gastfreundschaft. Es ist beeindruckend, dass Sie uns Fremde teilnehmen lassen an ihrem privaten Fest und uns wie Gäste behandeln.
Die Fahrt geht Richtung Ingall. Unterwegs treffen wir auf die „Kranken“ aus dem Hotel. Es geht ihnen besser, aber fit sind sie immer noch nicht. Jetzt geht die Suche weiter zu einer andern Peulh-Gruppe. Am späten Nachmittag bauen wir unser Lager in der Nähe einer anderen Nomadengruppe auf. Auf unserem Camp-Platz finde ich eine Pfeilspitze, alte Scherben und uralte Straußeneierschalen.
Wir gehen zu der Nomadengruppe und erleben mit, wie sich die jungen Männer schminken: Aus einem gelblichen Stein wird Pulver gemahlen und zu einer ockerfarbenen Paste verarbeitet mit der das Gesicht grundiert wird. Dann kommen weiße und/oder schwarze Punkt, Linien und Kreise dazu. Die Augen werden mit Kajal betont und die Lippen werden aufwendig bemalt. Dann stellen sie sich im Halbkreis auf, singen wieder den monotonen Gesang und schneiden so gut es geht Grimassen. Die kleinen Jungs reihen sich an die Seiten dazu und üben schon mal kräftig das Augenrollen und andere Grimassen. In einem Kreis stehen die jungen Mädchen zusammen, auch hübsch angezogen, aber nicht so geschminkt und singen ebenfalls einen etwas rhythmischeren Gesang. Die Jungs formieren sich auch zu einem Kreis und klatschen rhythmisch zu ihrem Gesang. Diesmal gelingt mir meine Aufnahme etwas besser. Es ist schon längst dunkel geworden als wir zurück zum Camp gehen und zu Abendessen.

9. Tag
 
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Nach dem Frühstück und Zeltabbau gehen wir noch einmal zu der Nomadengruppe. Wir können ihre „Häuser“ fotografieren, verteilen Geschenke. Sie haben einen kleinen Verkaufsstand mit Schmuck und kleinen Gegenständen aufgebaut. Ich kaufe ein Kajal-Behälter. Dann fahren wir zum Wasserauftanken: Aus einen großen Rohr fließt, durch eine Dieselpumpe gefördert, unentwegt verschwenderisch Wasser und bildet einen kleinen morastigen See.
Wir suchen eine neue Gruppe, machen mehrere Stunden Siesta und treffen danach auf eine, die aber erst in ein paar Tagen ihr Fest beginnen wird. Wir bauen unsere Lager auf, einige Nomaden besuchen uns abends. Nach dem Abendessen sitzen wir am Feuer und genießen wieder den Tee der Tuareg: in einer kleinen Kanne werden zur Hälfte grüner Tee und Zucker eingefüllt und etwas Wasser. Diese Mischung wird 5-8 Minuten gekocht und dann aus großer Distanz, damit Sauerstoff hinzukommt, in die Gläser gefüllt. Der erste Aufguss ist „so bitter wie das Leben“. Dann wird erneut Zucker und Wasser in die Kanne gefüllt, wieder lange aufgekocht. Der 2. Aufguss ist „so süß wie die Liebe“. Dies wird noch einmal wiederholt. Der dritte Aufguss ist „so sanft wie der Tod“.

10. Tag
 
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Weiterfahrt über Agadez, Pause im Hotel de L’Aiir, Richtung Südost kreuz und quer durch die Landschaft zur Falaise. Wegen dem zur Zeit noch sumpfigen Gelände sei der extreme Umweg notwendig. Den Blick von der Abbruchkante können wir nur für einen kurzen Moment genießen bevor ein fürchterlicher Sandsturm aufkommt, es sieht nach Weltuntergang aus. Dann fahren wir noch ca. 2 Stunden ebenfalls wieder kreuz und quer durch die Landschaft. Ein Felsen dient den Fahrern als Übersichtspunkt zur Neuorientierung. Und tatsächlich finden wir kurz vor der Dunkelheit den Dinosaurier-Friedhof. Zu unserer Enttäuschung sind die Skelette unter einer Erdschicht begraben. Souleymane macht von einem Knochen ein wenig die Erde weg, aber so richtig kann man die versteinerten Skelette nicht sehen. Eigentlich müssten diese Knochen richtig konserviert werden, aber die Tuareg haben weder das Know-How noch Geld dazu. Somit sind diese Skelette mehr oder weniger der Witterung ausgesetzt. Die dünne Erdschicht schützt nicht wirklich. Neben diesem Dinosaurier-Friedhof bauen wir unser Nachtlager auf. Trotz Vorsichtsmaßnahme sticht ein Akaziendorn meine Luftmatratze kaputt.

11. Tag
 
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Frühstück und Zeltabbau, danach fahren wir weiter zu den Felsgravuren auch wieder, wie wir meinen, im Zickzackkurs. Aber der Fels mit den Gravuren wird gefunden. Doch in der grellen Mittagshitze sind sie kaum zu entdecken. An einem anderen Felsen verbringen wir den Mittag im Schatten. Auch an diesem Felsen gibt es ein paar Gravuren. Am Nachmittag fahren wir noch mal zu den Hauptgravuren. Aber leider zieht schon wieder ein heftiger Sandsturm auf, dass es jetzt zu dunkel ist und die Kamera völlig versandet. Die Weiterfahrt soll zu den tollen Dünenformationen gehen, aber diese erreichen wir vor der Dunkelheit nicht mehr und bauen unser Lager an einem Felsen auf.

12. Tag
 
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Früh aufstehen, frühstücken und noch zu den Dünen. Die sind nicht besonders hoch, stehen aber so merkwürdig vereinzelt in der Gegend rum, dass sie schon wieder interessant sind. Über Agadez geht es wieder Richtung Südwest zu einem riesigen Tuareg-Fest. Da es nicht weit von Agadez entfernt ist, sind noch 2 kleinere Touristengruppen und auch einheimische Zuschauer da. Die Frauen sitzen wieder zusammengekauert in der Mitte des Platzes, trommeln und singen und die stolzen Tuareg-Reiter in herrlichen Gewändern und kunstvoll gewickelten Schechs auf dem Kopf umrunden diese wieder im engen Kreis. Die Sonne brennt wahnsinnig vom Himmel herab, es gibt zwar eine überdachte Tribüne mit Sitzplätzen, aber die Plätze sind natürlich alle besetzt. Die Frauen sind ebenfalls in den schönsten Gewändern gehüllt und haben auch Tücher kunstvoll auf ihrem Kopf arrangiert. Wir suchen uns weit draußen ein schattiges Lager für die Mittagsruhe. Nachmittags fahren wir wieder zum Festplatz und werden zur Audienz ins Festzelt des obersten Tuareg-Führers von Niger eingeladen. Es sind noch mehrere Honorationen vorhanden, wie der Chef der Tuareg des Aiir-Gebirges. Wir dürfen Fragen stellen und Souleymane übersetzt dies in beide Richtungen. Es ist eine große Ehre dass man sich Zeit für uns Touristen nimmt, wenn man bedenkt, dass in den 3 Tagen des Festes alle juristischen, politischen und sozialen Probleme aller hier vorhandenen Tuareg-Gruppen besprochen werden. Wir dürfen sogar Fotos von den Tuareg-Führern im Zelt machen. Dann geht es auf den Festplatz wo wir diesmal einen Platz unter dem Dach ergattern und genießen, umringt von herrlich gekleideten Tuareg-Frauen und -Männern, die Vorstellung der einzelnen Clans. Per Lautsprecher werden in tamaschek und teils französisch die einzelnen Clans vorgestellt, die dann als Reiterformation, meist mit Schild, mehrfach um die Frauen reiten und entsprechend umjubelt werden. Die stolzen Reiter und Zuschauer in Festtagskleidung sind ein Augenschmaus. Wir kehren zum Lager zurück und essen zu Abend. Gegen 22.00 Uhr fahren wir noch einmal zum Festplatz. Im Kreis sitzend, dahinter hockend und stehend schauen die Leute auf die Musikgruppen. Die Musiker spielen E-Gitarre und Schlagzeug in traditioneller Turareg-Kleidung. Es wirkt etwas skurril. Die Gruppen und Lieder werden immer angekündigt und die Meute der Mädels flippt bei einigen Gruppen aus. Es ist eine tolle Atmosphäre, ich versuche einige Lieder aufzunehmen.
Dann soll es leider zurückgehen ins Camp. Obwohl dies nur ca. 500m vom Platz entfernt ist, gestaltet sich die Suche im völligen Dunkeln etwas schwierig. Schischi fährt uns zurück, gurkt kreuz und quer durchs Gelände und erreicht nach 20 Minuten statt des Lagers wieder den Festplatz. Dann rückt Schischi nach hinten und Boukarie versucht sein Glück, endet aber genau wie Schischi nach ca. 20 Minuten wieder am Platz. Wir lachen uns halb tot, das TPS (Tuareg Position System) scheint nicht zu funktionieren. Also fährt Al Husaini vor uns her. Er fährt zielstrebig geradeaus und wir denken, er schafft es. Aber auf einmal geht es auch bei ihm im Zickzackkurs durchs Gelände. Wir sehen Schischis und Boukaries Fahrspuren: hier waren wir schon mal. Wir sehen noch mehr Autos die umherirren, andere finden also auch nicht heim. Endlich nach insgesamt 1 Stunde finden wir unser Lager wieder. Katzenwäsche und ab ins Zelt.
Nachts werde ich wach und meine Haut hat sich in großen Fetzen vom Hinterteil gelöst. Während ich auf dem Festplatz auf der Erde saß, hatte sich ein (vermutlich) Käfer in die Hose geschlichen. Ich hatte ihn zerdrückt und weiter nicht beachtet. Er muss wohl ein ätzendes Sekret abgesondert haben, das meine Haut abgelöst hat. Notdürftig mit Heilsalbe versorgt hat es den Rest der Reise mit Schwitzen und dem vielen Sitzen im Auto keine Chance zu heilen.

13. Tag
 
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Nach dem Frühstück und Zeltabbau geht es noch mal zum Festplatz und im Hellen ist es uns unerklärlich, dass wir gestern Nacht den Lagerplatz nicht gefunden haben, er lag wirklich sehr nahe am Festplatz. Hier findet ein Kamelrennen statt und wir sehen noch den Zieleinlauf. Es sieht schon lustig aus, wenn die Kamele rennen, die unteren Glieder der Beine schlackern wie zufällig in der Luft und geben dem Kamel etwas tänzelndes. Das Maul und vor allem die Unterlippe schlabbert im Takt mit und sieht äußerst lustig aus. Nach der Siegerehrung geht es wieder nach Agadez ins Hotel de L’Aiir. Wir bekommen leider nicht mehr unser altes „Luxuszimmer“ und kommen in eine richtige Kakerlakenbude. Es wimmelt von diesen Tieren der etwas größeren Sorte. Duschen, den Po versorgen und rumhängen. Dann gehen wir zur Moschee, einige auf den Turm, wir waren ja schon da, dann auf die Dachterrasse und ein kühles Bier trinken bis wir zum Abendessen wieder ins Restaurant wegfahren. Es gibt ein typisches Tuareg-Essen auf der Dachterrasse. Zu diesem feierlichen Rahmen wollten wir die Geschenke, die eigentlich zur Hochzeit gedacht waren, als (reichliches) Trinkgeld unserem Reiseleiter Souleymane übergeben. Am Anfang der Reise hatten wir alle Geschenke in einen Koffer gesteckt, der selbst ein Geschenk ist. Nun wird der Koffer auf die Dachterrasse geholt und zum Erstaunen aller, waren schon alle Geschenke aufgerissen und anscheinend gründlich begutachtet worden. Für 2 Mitreisenden war dies zuviel und sie waren so entsetzt darüber, dass sie sich bockig wie kleine Kinder und heulend abgewandt haben. Wir waren zwar auch nicht erfreut über die voreilige Neugier, aber wir haben dann unsere Geschenke nach einer kurzen Ansprache von Rainer eben unverpackt an Souleymane abgegeben. Die Stimmung wurde wieder besser als ein Mitreisender Mundharmonika spielt und der Tag klingt dann noch gut aus.

14. Tag
 
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Wir fahren Richtung Südwesten und machen uns auf die Suche nach der Peulh-Gruppe, die uns vor ein paar Tagen gesagt hatten, dass sie ein Fest vorbereiten. Wir finden sie auch und die aufwendige Begrüßung findet wieder statt, während wir das Dorf besichtigen. Danach errichten wir unser Camp in der Nähe auf und verbringen die Mittagshitze im Schatten. Wir bekommen Besuch von einigen Peulh- und Tuareg-Frauen und Kindern. Sie sind alle krank mit Malaria und Gelbsucht und sehr ärmlich gekleidet. Wir verteilen Kleidung und Schmerztabletten und der Koch Ibrahim erklärt ihnen wie sie es einnehmen sollen. Aber es ist alles nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Nachmittags geht es wieder zum Fest. Nach dem aufwendigen Begrüßungsritual können wir dem Gesang und Grimassenschneiden der jungen Männer wieder zuschauen. Ich freunde mich schon wieder mit einem alten Mütterchen an (wieso immer ich?), sie nimmt mich an der Hand und erzählt viel, feuert mit mir die jungen Burschen an. Ich schenke ihr einen Sonnenschirm und überglücklich läuft sie mit ihm überall hin. Wir verteilen noch Spiegel, Spielzeugautos und andere Glitzersachen. Zurück im Camp gibt es Abendessen und anschließend geht es ab ins Zelt zum Schlafen.

15. Tag
 
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Nach dem Zeltabbau und Frühstück fahren wir noch einmal zu der Peulh-Gruppe und erfahren, dass sie noch ein Kamelrennen veranstalten. Wir fahren mit den Autos zum Starpunkt, ein kleiner Hügel in der Ebene und warten bis die Kamele und einige wenige Pferde angetrabt kommen. Nach einer kurzen Pause geht es dann los. Wir fahren mit den Autos neben und vor den Kamelen her. Nach dem Spektakel verabschieden wir uns und es geht Richtung Süden bis Abalak. Dort gibt es eine Mittagspause und in Tahoua eine Trinkpause in einem Cafe. Kurz hinter Tahoua schlagen wir unser Nachtlager auf. Bei einem Bier, dass Souleymane extra aus Tahoua holt, sitzen wir noch ein wenig zusammen. Es ist unerträglich schwül hier und die Brühe läuft nur noch so.

16. Tag
 
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Weiterfahrt über Dogondoutschi, Mittagsstopp in einem Restaurant und weiter über Dosso bis zum Dorf. Wir beziehen unsere Hütten und freuen uns auf eine „Dusche“. Aber es gibt kein Wasser in den Kalebassen, auch ist sonst nichts vorhanden. Die Stimmung gegen Werner ist wieder aufgeheizt. Das Mittagessen hat wieder vielen Probleme bereitet, mir leider auch schon wieder. Außerdem ist durch die lange Fahrerei mein Popo nicht besser geworden. Ich ruhe mich auf dem Bett etwas aus und schwitze wahnsinnig in diesem schwül-heißen Klima. Boukarie ist losgefahren, um Wasser für die „Duschen“ zu holen. Nach 2 Stunden trudelt dann auch Werner ein und sagt nur lapidar, dass er Wasser geordert hätte. Er wird nicht sonderlich freundlich begrüßt. Er hat Trinkwasser und Bier mitgerbacht. Abendessen, ein wenig draußen schlafen, in den Hütten ist es zu heiß, dann fahren wir los zum Flughafen.

17. Tag
 
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Abflug morgens früh um 2.35 von Niamey. Abschied von den Fahrern und Souleymane. Ein wenig schlafen im Flugzeug. Morgens um 7.00 Ankunft in Casablanca und Weiterflug nach Frankfurt. Ankunft 14:30.